Yen

14. Dezember 2011

Der japa­ni­sche Yen wurde 1871 ein­ge­führt, nach­dem das zuvor 200 Jahre lang abge­schot­tete Land sich auf Druck der USA öffnen musste. Zuvor war in Japan mit Gold-, Silber-, Kup­fer– und Kera­mik­mün­zen gehan­delt wor­den, die Koban und Oban hie­ßen, zudem hatte die Daimyo-Dynastie auch bereits Papier­geld her­aus­ge­ge­ben, das soge­nannte Han­sa­tsu. Die japa­ni­sche Wäh­rung vor 1871 war auf den Bin­nen­markt bezo­gen und nicht kon­ver­ti­bel, aller­dings wur­den beson­ders japa­ni­sche Sil­ber­mün­zen auch im gesam­ten Aus­land des pazi­fi­schen Rau­mes für Han­dels­trans­ak­tio­nen genutzt.

Die Ein­füh­rung des Yen

Der Japa­nese Cur­rency Act führte 1871 den Yen inner­halb eines Dezi­mal­sys­tems ein, die klei­ne­ren Mün­zen Sen und Rin ver­schwan­den bald auf­grund ihres gerin­gen Wer­tes. Die Bezeich­nung Yen wurde schon im 2. vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert in China par­al­lel mit der Bezeich­nung für die chi­ne­si­sche Wäh­rung Yuan genutzt, die Über­tra­gung auf die japa­ni­sche Wäh­rung im spä­ten 19. Jahr­hun­dert beruhte aller­dings auf einem Über­set­zungs­feh­ler. Das Wort heißt “runde Münze”, diese gab es in China schon ab 200 v. Chr., bis 800 n. Chr. wur­den runde Mün­zen von China nach Japan expor­tiert. Um 708 begann dann Japan eigene Mün­zen aus Kup­fer und Sil­ber zu prä­gen. Auf die­sen wurde immer noch das chi­ne­si­sche Zei­chen für yuan auf­ge­prägt (元),wie Funde aus dem spä­ten 17. Jahr­hun­dert bele­gen, das Wort wurde aber nicht yen, son­dern gen aus­ge­spro­chen. Die Japa­ner ver­wen­den daher für ihren Yen, des­sen inter­na­tio­na­les Zei­chen ¥ ist, das japa­ni­sche Schrift­zei­chen 円. Der eng­li­sche Mis­sio­nar Wal­ter Henry Med­hurst sorgte schließ­lich für die Laut­über­tra­gung nach “Jen”, die sich inter­na­tio­nal ein­ge­bür­gert hat.
Im Jahr 1882 wurde nach bel­gi­schem Vor­bild die Japa­ni­sche Natio­nal­bank gegrün­det, 1897 kop­pel­ten die Japa­ner den Yen an den Gold­stan­dard, muss­ten diese Bin­dung aber 1931 wie­der auf­ge­ben. Das japa­ni­sche Ban­ken­sys­tem ent­wi­ckelte sich Ende des 19. Jahr­hun­derts rasant, 1901 exis­tier­ten 1.867 Geld­in­sti­tute im Land der auf­ge­hen­den Sonne. Erst 1964 wurde der Yen kon­ver­ti­bel, aller­dings wurde er inter­na­tio­nal wenig beach­tet, da das Land sein Finanz­sys­tem tra­di­tio­nell rela­tiv stark vom inter­na­tio­na­len Han­del abschot­tete. Ban­ken wur­den in ihren Aus­lands­ge­schäf­ten stark regle­men­tiert, auch im Inland griff der Staat in Zins­kon­di­tio­nen ein. In den 1970er Jah­ren noch muss­ten Japa­ner, wenn sie Devi­sen erwor­ben hat­ten, diese inner­halb eines Monats wie­der in Yen umtau­schen. Die Ban­ken durf­ten für Devi­sen­trans­ak­tio­nen nur bestimmte aus­län­di­sche Wäh­run­gen nut­zen, näm­lich den US-, den Kana­di­schen und den Aus­tra­li­schen Dol­lar, die Deut­sche Mark, das Pfund Ster­ling, den Öster­rei­chi­schen Schil­ling, den Fran­zö­si­schen und Bel­gi­schen Franc, Schwei­zer Fran­ken, Nie­der­län­di­sche Gul­den, Schwe­di­sche, Nor­we­gi­sche und Däni­sche Kro­nen, Ita­lie­ni­sche Lira und den Por­tu­gie­si­schen Escudo. Damit war die Wäh­rung de facto nicht voll­ends kon­ver­ti­bel. Gleich­zei­tig war der Yen falsch bewer­tet. Im Bretton-Woods-Abkommen von 1944 wur­den für einen US-Dollar 360 Yen fest­ge­legt, was mög­li­cher­weise der Wirt­schafts­leis­tung des im Krieg zer­stör­ten Japans ent­sprach, aber in den 1970er Jah­ren fernab jeder Rea­li­tät war, nach­dem Japan längst begon­nen hatte, sich zur dritt­größ­ten Wirt­schafts­macht der Welt zu ent­wi­ckeln. Nach­dem die USA zu Beginn der 1970er Jahre die Bin­dung des US-Dollars an das Gold auf­ga­ben und das Bretton-Wood-System dar­auf­hin zusam­men­brach, ver­än­derte sich auch der Wech­sel­kurs des Yen gegen­über dem US-Dollar, 1980 lag er bei 227 Yen für einen Dollar.

Der Auf­stieg des Yen zur Reservewährung

Bis zum Beginn der 1990er Jahre wuchs die japa­ni­sche Wirt­schaft bestän­dig, damit auch der japa­ni­sche Han­del und die Geld­menge. Der Yen war sta­bil und wurde neben Dol­lar, Pfund und Schwei­zer Fran­ken eine der vier Welt­re­ser­ve­wäh­run­gen. Bis heute hal­ten die gro­ßen Staa­ten und Insti­tu­tio­nen (Ban­ken, Fonds) der Welt 3 Pro­zent ihrer Devi­sen­re­ser­ven in Yen. Mit dem Plat­zen der 1990er Immo­bi­li­en­blase in Japan fiel der Yen stark im Wert und erholte sich nur lang­sam. Japan betreibt seit Ende der 1990er Jahre bis zum Jahr 2011 eine fak­ti­sche 0-Zins-Politik.
Es gibt den Yen als Münze in 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Yen, als Bank­note in 1.000, 2.000, 5.000 und 10.000 Yen. Im all­täg­li­chen Han­dels­ver­kehr spie­len die klei­nen Mün­zen kaum eine Rolle. Der Kurs des Yen zum Euro beträgt am 20. Novem­ber 2011 für einen Euro 104,06 JPY, eine 500 Yen-Münze ent­spricht also in etwa 50 Euro­cent, eine 1-Yen-Münze wäre ein Zehntelcent.

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