Taufe
Nahezu alle Religionen und spirituelle Gemeinschaften kennen Reinigungsrituale bzw. Waschungen, die mit Wasser vollzogen werden. Bei diesen Ritualen soll oft sowohl eine Heilung von Krankheiten als auch eine Vergebung von Süden erwirkt werden. Auch Wasser im Zusammenhang von Aufnahmeritualen von Novizen in eine Glaubensgemeinschaft sind bekannt.
Das Tauchritual als Taufritus und Bekenntnis zum Christentum
Etymologisch geht der Begriff Taufe auf den griechischen Begriff ‘baptízein´zurück, der mit Ein– bzw. Untertauchen zu übersetzen ist. Im germanischen Sprachgebrauch wurde ein Mensch ‘durch Untertauchen zum Christen gemacht´.
Johannes der Täufer und das Taufritual
Im Neuen Testament nimmt das christliche Taufritual mit Johannes dem Täufer, der dies als ein Sündenbekenntnis, eine Bußhandlung und als ein Bekenntnis zur inneren Umkehr praktizierte, seinen Anfang.
In einem signifikanten Akt taufte Johannes der Täufer Jesus als „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trage“. Nach seinem Beispiel tauften danach auch die Apostel Jesus durch Untertauchen im Jordan. Um allerdings die Bedeutung von Jesus als Gottessohn herauszuheben, wies Johannes der Täufer darauf hin, dass Jesus im Gegensatz zu allen anderen mit Heiligem Geist und Feuer taufe.
Die christliche Taufe im Neuen Testament
Im Matthäus Evangelium wird die Taufformel als Tauf– und Missionsbefehl Jesus Christus formuliert, der besagt: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ So gilt nach Paulus die christlichen Taufe als Gabe des Heiligen Geistes mit der Taufformel auf den Namen Jesu Christi.
In der Apostelgeschichte beschreibt Lukas, dass Petrus in seiner Pfingstpredigt, die Taufe als ein Ritual der Umkehr, der Vergebung der Sünden sowie das Geschenk des Heiligen Geistes. Petrus erklärte, dass in der Taufe nicht der Schmutz vom Leibe abgewaschen werde, sondern dass die Taufe die Bitte zu Gott um ein reines Gewissen sei, indem Jesus Christus von den Toten auferstanden sei. Zur Taufe müsse jedoch noch der Glaube an Jesus Christus hinzukommen.
In den Römerbriefen beschreibt Paulus das Taufritual als ein „Begrabenwerden“ und eine „Neuwerdung des Lebens“ entsprechend der Auferstehung Jesus Christus. Es sei das Wesen der Taufe, dass der der Täufling mit der Taufe die Schwelle zwischen dem alten Sein des Menschen, der in Sünden war und dem Sein seines Lebens in Christus betrete. Das Wasser der Taufe „töte“ und „schenke Leben“. Der Täufling erhälte Anteile von Jesus Christus Auferstehung, daher wäre die Taufe ein einmaliger Ritus, der nicht wiederholt werden müsse.
Die Taufe als Ritual in seiner Wandlung der Zeiten
In der alten Kirche aus einem heidnischen Umfeld heraus wurde stets die gesamte Hausgemeinschaft getauft. Man glaubte noch an eine Wiederkehr Jesus auf Erden. Verbunden mit einem Glaubensbekenntnis sollte in der Taufe der Heilige Geist den Christenmenschen versiegeln.
Die Apostolischen Väter gaben einen Taufbefehl, der auf den Namen Jesus Christus und des Sohnes und des Heiligen Geistes galt und während eines Taufakts nur in der Osternacht vollzogen wurde. Die Taufe galt als ein Weg zur Erleuchtung.
In der Urkirche und bis ins 12. Jahrhundert wurde noch ein vollständiges Untertauchen des Täuflings vollzogen. Allerdings gab es auch damals bereits den Ritus der Nottaufe bei Krankheit, Todesgefahr, Verfolgung, der lediglich ein Besprengen mit Wasser vorsah.
Um das Jahr 200 wurde bereits der Ritus der Kindertaufe erwähnt, der aber auch vereinzelt kritisch kommentiert wurde.
Im 3. Jahrhundert vertraten die Theologen Cyprianus und Tertullian die Ansicht, dass durch die Taufe eine Gottebenbildlichkeit, die durch die Erbsünde zerstört worden war, wiederhergestellt werden würde. Zur selben Zeit wurde das Moment, dass in der Taufe auch der Heilige Geist empfangen werde, als gnostisches Element aus der Taufglaube ausgegliedert und durch andere kultische Handlungen wie Salbung, Handauflegen, ein weißes Taufkleid, eine Absage an den Teufel erweitert. Die Taufe wurde als Sakrament eingeführt.
Nach Aurelius Augustinus stempelte die Taufe als Sakrament den Täufling wie eine Münze und sei ein Heilmittel gegen die Erbsünde.
Im Mittelalter folgerte die Lehre des Augustinus, die Scholastik, die aristotelische Formel, wonach das Taufwasser der Materie erspreche und die Taufformel der Form.
Nach der Lehre von Thomas von Aquin entspricht Gott einer Prinzipalursache und die Taufe einer Instrumentalursache, wodurch eine Gnadenwirkung zur Tilgung der Erbsünde der Taufe ermöglicht sei. Indem als dritter Bestandteil der Taufe noch die Absicht des Spenders (intentio) bestehe, sei die Taufe dreifach besiegelt. Diese Bulle Exsultate Deo gilt auch heute noch in der Katholischen Kirche.
In der Reformationsbewegung knüpfte Martin Luther wieder an Augustinus an, indem die Taufe zu einem sichtbaren Bündnis zwischen Gott und dem Menschen sei und Gott im Taufritual dem Täufling die Sünden vergebe. Allerdings gelte es diesen symbolischen Akt der Heilwerdung durch regelmäßige Wiederholung und tägliche geistige Wiederholung von Sünden abzulassen. Es gebe keine Heilsgewissheit (gegen die Schwärmer). Regelmäßige Buße sei notwendig.
Zwingli zog Position gegen Luther, in dem er die Taufe als Sakrament, als ein äußeres Gnadenmittel ansah, das zwar nicht äußerlich die Sünden abwaschen könne, aber äußerlich auf den inneren Akt hindeuten könne.
Die Taufe in der Neuzeit
Bei christlichen Konfessionen ist die Taufe auf derselben Grundlage basierend.
Eltern oder Taufpaten bekennen als Stellvertreter des Kindes das Glaubensbekenntnis. In der protestantischen Kirche wird in der Konfirmation die Taufe wiederholt.
In der römisch-katholischen Kirche werden kleine Kinder im Glauben der Kirche getauft. Das Apostolische Glaubensbekenntnis der Eltern/Paten ist Voraussetzung für die Taufe eines Kindes. Es gibt aber in der römisch-katholischen Kirche kein nachgeholtes Taufbekenntnis. Allerdings kann an den Riten des Taufgedächtnisses z. B. in der Osternacht das Taufversprechen erneuert werden. Auch bei jeder Heiligen Messe (Eucharistie) sowie bei der Firmung (beides Sakramente) wird das Glaubensbekenntnis der Taufe bestärkt.
Die Bedeutung der Taufe in der Ökumene
In der Ökumene der christlichen Kirchen in Deutschland wird der verbindende Charakter der Taufe für alle Christen formuliert. In der internationalen Ökumene wird in der sogenannten Lima-Erklärung von 1982 auf das verbindende Moment der Taufe für alle christlichen Kirchen Bezug genommen.
Taufe durch den Heiligen Geist
Christliche Kirchen, die der Pfingstbewegung angehören bzw. charismatisch orientiert sind, betonen die Bedeutung der Taufe durch den Heiligen Geist, d. h. Auch einer inneren Wandlung des Täuflings durch das Taufritual. In diesem Zusammenhang kennt die Neuapostolische Kirche das Moment der Versiegelung.
Rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit der Taufe
In vielen Religionsgemeinschaft beginnt mit der Taufe die Mitgliedschaft des Getauften in der Kirchengemeinde. Als sogenannte Amtshandlung wird die Taufe in die Kirchenbücher eingetragen und über die Taufe wird auch ein Taufschein ausgestellt. In staatsrechtlicher Hinsicht besteht für die Kirchengemeinde demnach das Recht von ihren Mitgliedern Kirchensteuer zu verlangen. Somit ist im Rahmengefälle zwischen Taufe und der Möglichkeit durch staatliche Kirchenaustrittsgesetze sichergestellt, dass eine Mitgliedschaft in einer Kirchengemeinde nicht gegen den freien Willen bestehen muss.
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Category: Lexikon | Tags: Brauchtum, Christentum, Rituale, Taufe Kommentare deaktiviert