Süden

10. April 2011

Grund­sätz­li­ches über den Süden

Der Süden ist eine Him­mels­rich­tung, die von jedem belie­bi­gen Punkt der Erde aus auf den magne­ti­schen Süd­pol weist und des­we­gen eine wich­tige Ori­en­tie­rungs­hilfe ist. Übli­cher­weise ist der Süden auf einer Karte am unte­ren Rand der Karte plat­ziert, wäh­rend der obere Rand auf den Nor­den weist, auf den Nord­pol, der aller­dings geo­gra­fisch nicht ganz deckungs­gleich mit dem Süd­pol ist. Doch die Him­mels­rich­tun­gen Nor­den und Süden bil­den Gegen­sätze. Eine genauere Unter­tei­lung der Him­mels­rich­tung Süden fin­det sich in den Unter­schei­dun­gen Süd­ost und Südwest.

Ety­mo­lo­gie

Nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen geht das Wort “Süden” zurück auf das alt­ger­ma­ni­sches Adverb “sunba”, gleich­be­deu­tend mit “nach Süden”. Seit dem 12. Jahr­hun­dert fin­det sich das “ü” im Rah­men der Laut­ver­schie­bung in dem Wort. Andere Deu­tungs­mus­ter ver­wei­sen auf die Sonne, denn im Alt­nor­di­schen fin­det sich zum Bei­spiel das Wort “sunnan”. Das mit­tel­hoch­deut­sche “süder” wie­derum ver­weist auf den Süd­wind. Somit wurde der Süden eng mit der Sonne und mit wohl­tu­end war­mem Wind in Ver­bin­dung gebracht, weil sich auf der Nord­halb­ku­gel die Sonne um die Mit­tags­zeit etwa im Süden befin­det und die Sonne von den Men­schen der käl­te­ren Nord­halb­ku­gel als segens­reich erlebt wurde. Dabei spielte wohl nicht nur das sub­jek­tive Befin­den eine Rol­len, son­dern auch zum Bei­spiel die Aus­wir­kun­gen auf die über­le­bens­wich­tige Ernte.

Wis­sen­schaft­li­che Definitionen

Wis­sen­schaft­li­chen Defi­ni­tio­nen zufolge kenn­zeich­net der Begriff Süd oder Süden eine Win­kel­hal­bie­rende zwi­schen Ost (90 Grad) und West (270 Grad). Die Sonne befin­det sich dabei um 12.00 Uhr Orts­zeit auf der Nord­halb­ku­gel unge­fähr im Süden. Des­halb lässt sich auf der Nord­halb­ku­gel mit­tels einer Ana­log­uhr bei Son­nen­sicht der Süden bestim­men, indem man den Stun­den­zei­ger auf die Sonne rich­tet. Der Süd­pol befin­det sich dann unge­fähr auf der Ver­län­ge­rung der Win­kel­hal­bie­ren­den von Stun­den­zei­ger und der 12 bei Normalzeit.

Umgangs­sprach­li­che Bedeu­tung heute

Heute wird mit dem Wort “Süden” vor allem Sonne, Urlaub, medi­ter­ra­nes Flair und Ent­span­nung ver­bun­den. Grund dafür ist, dass sich die belieb­tes­ten Urlaubs­län­der Euro­pas im Süden des Kon­ti­nents befin­den: Ita­lien, Spa­nien, Grie­chen­land, etc., mit all ihren attrak­ti­ven Mög­lich­kei­ten, die Men­schen aus nörd­li­che­ren Regio­nen so nicht gege­ben sind. Der Süden und die süd­li­chen Län­der ste­hen für die Leich­tig­keit des Lebens, für Genie­ßen und für ein Leben in den Tag leben hin­ein ohne Sor­gen. Dem Begriff Süden haf­tet dem­nach etwas Posi­ti­ves an. Wie der Ger­ma­nist Die­ter Rich­ter sagt: “Der Süden hat als Sehn­suchts­ort noch längst nicht aus­ge­dient, dort­hin zeigt bis heute die Kom­pass­na­del des Glücks”. Abseits von wis­sen­schaft­li­chen Ana­ly­sen hat der Süden für Mit­tel– und Nord­eu­ro­päer also eine Kon­no­ta­tion von vie­len posi­ti­ven Asso­zia­tio­nen, wobei das bei­leibe nicht immer so war:

Der Süden in der Antike

Die Römer, selbst im süd­li­chen Europa ange­sie­delt, fürch­te­ten den Süden, wo die Men­schen in der Sonne “ver­brann­ten”. Kaum ein See­fah­rer wagte sich ab einem bestimm­ten Punkt wei­ter süd­lich vor. Bib­lisch gese­hen waren die miss­ra­te­nen Nach­kom­men Noahs eben­falls im Süden ange­sie­delt, wo sie unter dem Fluch der Knecht­schaft litten.

Zeigt also noch die nor­di­sche Ver­bin­dung zum Wort Süden eine posi­tive Kon­no­ta­tion auf, so ist dies kul­tu­rell durch­aus unter­schied­lich. Neben den rein for­ma­len Kri­te­rien, die das Wort Süden kenn­zeich­nen, so steht der Begriff auch für bestimmte ange­nehme Asso­zia­tio­nen für Men­schen den nörd­li­che­ren Euro­pas. Der eben zitierte Die­ter Rich­ter hat ein Buch vor­ge­legt, wo er den Ver­bin­dun­gen mit dem Süden, der im Gegen­satz zum Nor­den erst spät eine Bedeu­tung ent­wi­ckelte, nach­spürt und die Rele­vanz für die Men­schen eru­iert.
Süden hat damit sowohl eine wis­sen­schaft­li­che Trag­weite als auch eine Mensch­li­che, wobei die Sehn­sucht nach einem schö­ne­ren Leben eine Rolle spielt.

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