„Scientology ist eine religiöse Philosophie in seiner äußersten Bedeutung, denn sie führt den Menschen zur völligen Freiheit.“ Dieses Zitat stammt aus der Feder des Erfinders der „Dianetik“ und des Gründers der Scientology-Sekte, L. Ron Hubbard.
Die Geschichte
L. Ron Hubbard wurde im Jahre 1911 in den USA geboren. Der Kriegsveteran und Science-Fiction-Autor entwickelte im Jahre 1950 die Lehre von der „Dianetik, die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“. Hubbard erfand spezielle Psychotechniken, aus der 1952 eine Weltanschauung mit religiösem Anspruch entstand. 1953 gründete er dann die „Church of Scientology“, die bereits im Jahre 1954 über ihre erste Zweigstelle in Kalifornien verfügte. Scientology ist inzwischen über die ganze Welt verbreitet. Der Hauptsitz ist Los Angeles. In den USA befinden sich auch die meisten Anhänger, unter ihnen Prominente wie Tom Cruise oder John Travolta. Scientology ist in den USA als Religion anerkannt, während sie in Deutschland als Sekte unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht.
Die Ideologie
Die Weltanschauung der Scientologen beruht auf obskuren Fantasien des Science-Fiction-Autors Hubbard: Der brutale galaktische Herrscher Xenu habe Menschen vor Millionen von Jahren als Mittel gegen die Überbevölkerung auf der Erde in Vulkane gesteckt und durch das Zünden von Wasserstoffbomben ins Jenseits befördert. Die Seelen der Getöteten sollen bis heute als „Thetane“ im menschlichen Körper gefangen sein. Sie sind verantwortlich für die vielen seelischen und körperlichen Verletzungen und Traumata, den „Engrammen“. Nur durch die Reinigungstechniken der Scientology werden die Engramme gelöscht und der Mensch wird erlöst von Zwangsvorstellungen, Neurosen und auch physischen Krankheiten. Er wird „Clear“. Durch die Anwendung der Scientology-Techniken über mehrere Stufen, Dynamiken genannt, soll der Scientologe angeblich übernatürliche Kräfte erlangen.
Die Praktiken
Der potentielle Scientologen-Anwärter wird durch geschickte Methoden zunächst erst einmal zu einem kostenlosen Persönlichkeitstest eingeladen. Der Ahnungslose beantwortet 200 zum Teil sehr intime Fragen. Während des Tests hält er in beiden Händen zwei Elektroden eines sogenannten E-Meters, eine Art Lügendetektor. Die Auswertung dieses Tests ergibt dann, dass der Probant eine Menge an Problemen mit sich herumträgt, die Scientology lösen kann. Durch geschickte Manipulationstechniken wird der „Pre-Clear“, der noch nicht Gereinigte, dazu überredet, an einem „Kommunikationskurs“ teilzunehmen. Ab jetzt beginnt es, teuer zu werden.
Die kostenpflichtigen Kommunikationskurse, die „Auditings“, müssen regelmäßig durchgeführt werden, damit der Clear-Status erreicht werden kann. Merkwürdige Psychotechniken muss der Scientologe über sich ergehen lassen. Es ist eine Art Hypnose, herbeigeführt durch ständige, vom Auditor angeordnete, sinnlose und sich laufend wiederholende Tätigkeiten, die tatsächlich in einen tranceartigen Zustand führen können. Nicht wenige Kandidaten werden süchtig nach Auditings.
Aber es bleibt nicht beim Clear-Status. Der Scientologe soll ja schließlich in immer höhere Bewusstseinsebenen gelangen und muss dann sehr teure und skurrile Kurse (Operierende Thetan-Kurse) für das Erreichen von maximal 8 Stufen, den „Dynamiken“ belegen. Die letzte Stufe, die OT8 wird auf dem Kreuzfahrtschiff der Sekte erreicht. Und der angeblich privilegierte Scientologe ist dann um etwa 350.000 US-Dollar ärmer. Aber auch wenn man die Kurse für Fortgeschrittene nicht belegt, kann man ein Vermögen an die Sekte verlieren.
Die Bestrafung von Abweichlern und Kritikern
Scientology duldet keine Kritiker. Die Scientologen unterwerfen sich einem totalen Kontrollsystem. Sogenannte Ethik-Offiziere und eine geheimdienstähnliche Organisation, die OSA, kontrollieren ihre Mitglieder. Diese sind angehalten, Wissensberichte über Abweichler anzufertigen. Der Ausstieg aus der Sekte gilt als eine schwere Straftat. Außenstehende Kritiker und Gegner der Sekte werden als geisteskrank abgestempelt, zu „unterdrückerischen Personen“ erklärt und ausgesondert. Renitente Mitglieder haben harte Strafen zu befürchten und können sogar in Straflager verbannt werden.
Hilfe für Ausstiegswillige
Ausstiegswillige haben es sehr schwer, sich von der Sekte zu lösen. Durch den ständigen Druck, die Kontrollen, die massive Gehirnwäsche und die finanziellen Belastungen durch Scientology erleiden die Mitglieder schwere psychische Störungen, die meist nur durch eine langjährige Therapie behoben werden können. In Deutschland gibt es Beratungsstellen für Sektengeschädigte.
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