Sandmännchen

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Der Ursprung

Lange bevor die bewegte Puppe des Sand­männ­chens als abend­li­cher Schlaf­brin­ger über die deut­schen Fern­seh­bild­schirme flim­merte, war die Figur als Sagen­ge­stalt der west­eu­ro­päi­schen Mytho­lo­gie bekannt. Hin­weise dar­auf fin­den sich unter ande­rem in der Lite­ra­tur bei E. T. A. Hoff­mann und bei Hans Chris­tian Ander­sen. Wäh­rend bei Hoff­mann der Sand­mann als Kin­der­schreck auf­tritt und der Sand eine schreck­li­che Waffe ist, schil­dert Hans Chris­tian Ander­sen in der Mär­chen­fi­gur Ole Lukoje als lie­be­vol­len Traum­brin­ger.
Der Sand­mann kommt der Sage zu Folge am Abend zu den Kin­dern, streut ihnen Sand in die Augen und sorgt für einen schö­nen Traum.
Ähnli­ches ist zum Bei­spiel auch aus der grie­chi­schen Mytho­lo­gie bekannt, wo sich der Gott Mor­pheus der gol­de­nen Schlaf­kör­ner bediente.

Ost und West

Die Idee, das Sand­männ­chen als Fern­seh­fi­gur ein­zu­set­zen, hatte Dr. Ilse Olbrich, die beim DFF in der ehe­ma­li­gen DDR auch schon die Radio­sen­dung „Der Abend­gruß“ ins Leben geru­fen hatte, um Kin­dern Gutenacht-Geschichten zu erzäh­len. Im Jahr 1958 wech­selte Frau Dr. Olbrich vom DFF zum Sen­der Freies Ber­lin und ent­wi­ckelte gemein­sam mit der Pup­pen­ma­che­rin und Auto­rin Johanna Schüp­pel das Püpp­chen für die Fern­seh­sen­dung.
In der ehe­ma­li­gen DDR wurde dar­auf­hin mit Hoch­druck daran gear­bei­tet, dem Wes­ten sozu­sa­gen den Rang abzu­lau­fen und tat­säch­lich gelang es den Fern­seh­ma­chern in Berlin-Adlershof, in nur zwei Wochen die Puppe her­zu­stel­len und damit zuerst auf Sen­dung zu gehen. Zahl­rei­che Kulis­sen und Fahr­zeuge wur­den eigens für das Sand­männ­chen ent­wi­ckelt.
In jeder Folge des Ost-Sandmännchens gab es natür­lich eine Gutenacht-Geschichte für die Kin­der, die in Schreib­schrift immer mit dem Wort „Abend­gruß“ ange­kün­digt wurde. Nach deren Ende streute Sand­männ­chen den Kin­dern eine große Hand­voll Schlaf­sand in die Augen. Bei der Aus­strah­lung im West-Fernsehen kam das Sand­männ­chen ent­we­der auf einer Wolke ein­ge­schwebt oder benutzte ein orange-rotes Gefährt, das dem berühm­ten Por­sche 908 nach­emp­fun­den war.

Das Sandmännchen-Lied

Das Sand­männ­chen hatte natür­lich auch ein eige­nes Lied. Für das Ost-Sandmännchen wurde dies von Wolf­gang Rich­ter nach einem Text von Wal­ter Krum­bach kom­po­niert.
Die Melo­die der West-Version schrieb Kurt Dra­bek nach einem Text der NDR-Mitarbeiterin Helga Mau­ers­ber­ger.
In den 80er Jah­ren wurde das Sandmännchen-Lied durch eine neue Instru­men­tal­ver­sion ersetzt.

Die Wende und das Sandmännchen

Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung wurde im Osten der Repu­blik die bis dahin vom DFF aus­ge­strahlte Sandmännchen-Reihe ein­ge­stellt. Aber der Pro­test, von Kin­dern und Eltern glei­cher­ma­ßen, führte dazu, dass die Aus­strah­lung wie­der auf­ge­nom­men wurde. Selbst als 1991 der DFF seine Sen­dun­gen kom­plett ein­stellte, über­lebte das Sand­männ­chen. Es wurde die Sand­mann Stu­dio Trick­film GmbH gegrün­det, die nach meh­re­ren Umzü­gen dann in Berlin-Babelsberg hei­misch wurde. Der RBB wurde feder­füh­rend für die Pro­duk­tion der Sandmännchen-Sendungen, die immer noch gro­ßen Wert auf die alten Ost-Traditionen leg­ten.
Für das West-Sandmännchen kam das Aus schnel­ler als gedacht. Aus Kos­ten­grün­den stellte die ARD die Pro­duk­tion ein. West-Sandmännchen-Sendungen sind aber nach wie vor auf VHS-Kassetten oder CDs zu erhalten.

Sand­männ­chens Geburtstag

Anläss­lich des 50. Geburts­ta­ges der bei Groß und Klein belieb­ten Trick­film­fi­gur wird es im Herbst 2010 einen gan­zen Kino­film über das nied­li­che Männ­chen geben. Im deut­schen Film­mu­seum in Pots­dam kön­nen inter­es­sierte Besu­cher sich jeder­zeit über die wech­sel­volle Geschichte des Sand­männ­chens informieren.

Beson­der­hei­ten

  • In die Schlag­zei­len geriet das Sand­männ­chen, als der deut­sche Astro­naut Sig­mund Jähn im Jahr 1978 seine Sandmännchen-Puppe mit ins Welt­all nahm. Dort wurde mit einer weib­li­chen Puppe des rus­si­schen Astro­nau­ten eine Pup­pen­hoch­zeit gefei­ert. Die Ver­tre­ter des DDR-Fernsehens waren damals ent­setzt dar­über, weil ihrer Ansicht nach Sand­männ­chen keine Frau haben durfte.
  • Ähnlich wie das Ampel­männ­chen der DDR wurde auch das Sand­männ­chen zu einem Sym­bol der soge­nann­ten „Ostalgie“.
  • Bleibt zu hof­fen, dass der Abend­gruß mit dem Sand­männ­chen auch den nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen noch eine ange­nehme Nacht mit schö­nen Träu­men berei­ten wird.
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