Osten

11. April 2011

Osten bezeich­net, ebenso wie Wes­ten, Süden und Nor­den, eine Him­mels­rich­tung. Er befin­det sich in ent­ge­gen­ge­setz­ter Rich­tung zum Wes­ten und wird in allen Kul­tu­ren mit dem Son­nen­auf­gang in Ver­bin­dung gebracht. Neben einer rei­nen Angabe von Rich­tun­gen ist das Koor­di­na­ten­kreuz mit den vier Him­mels­rich­tun­gen auch in ande­rer Hin­sicht wich­tig: es erlaubt die Dar­stel­lung geo­gra­phisch genauer Kar­ten und die Navi­ga­tion nach ebe­nen jenen Kar­ten. Gerade die Rich­tun­gen Osten und Wes­ten sind für die Basis­kennt­nisse in der Navi­ga­tion aus­schlag­ge­bend, denn eine erste grobe Orts­be­stim­mung kann nach den Gestir­nen vor­ge­nom­men wer­den — im Osten stei­gen sie auf, im Wes­ten gehen sie unter. Die Sonne bil­det da keine Ausnahme.

Wort­her­kunft

Das Wort Osten kommt aus dem Alt­hoch­deut­schen, von ostan, was sich am Ehes­ten mit dem Adjek­tiv östlich über­set­zen lässt. Seit dem 15. Jahr­hun­dert etwa ist der Gebrauch des Wor­tes Osten in der deut­schen Spra­che belegt. Im Angel­säch­si­schen heißt es eâst, was in enger Ver­bin­dung zum Grie­chi­schen Eos steht — die Göt­tin der Mor­gen­röte und Per­so­ni­fi­ka­tion des Mor­gens heißt im Latei­ni­schen Aurora und wird in der Regel mit dem Pla­ne­ten Venus, der an kla­ren Mor­gen am Him­mel zu sehen ist, asso­zi­iert. Im christ­li­chen Kul­tur­kreis wird das Fest Ostern direkt mit dem Osten in Ver­bin­dung gebracht: Der Osten ist die Him­mels­rich­tung des auf­er­stan­de­nen Chris­tus, und aus die­sem Grund sind christ­li­che Kir­chen mit dem Altar­raum nach Osten ausgerichtet.

Koor­di­na­tion

Der Kom­pass zeigt nach Nor­den, und sin­ni­ger­weise sind Kar­ten heut­zu­tage dem­ent­spre­chend gen­or­det. Das war nicht immer so — frü­her waren sie ori­en­tiert, also nach Osten aus­ge­rich­tet (der Osten war “oben” auf der Karte dar­ge­stellt, der Nor­den dage­gen auf der lin­ken Seite). Das kam daher, dass man sich tat­säch­lich nach den Gestir­nen ori­en­tierte und nicht nach dem Magnet­feld der Erde, und das Wort ori­en­tie­ren meint genau das: eine Aus­rich­tung nach Osten. Denn ori­ens ist das latei­ni­sche Wort für Osten. Der Ori­ent beschreibt im Gegen­satz zum Okzi­dent die Län­der im Osten, spe­zi­ell den asia­ti­schen Kon­ti­nent, und steht für den Son­nen­auf­gang — daher die Bezeich­nung Mor­gen­land. Aller­dings spe­zi­fi­ziert man heute den Ori­ent, man spricht vom Nahen Osten, vom Mitt­le­ren Osten und vom Fer­nen Osten.

His­to­ri­sche Länderbezeichnungen

Genau genom­men haben auch die Län­der­be­zeich­nun­gen Aust­ra­sien (das Ost­fran­ken­reich) und Öster­reich/Austria etwas mit ihrer Lage im Osten (von Mit­tel­eu­ropa aus gese­hen) zu tun. Bei Öster-reich (Öster = Oster, Osten) ist die Him­mels­rich­tung Osten im Namen recht ein­fach zu ent­de­cken, bei Aus­tra­lien bzw. der eng­li­schen Bezeich­nung Aus­tria für Öster­reich ist es etwas schwie­ri­ger. Die Wur­zeln lie­gen in der nor­di­schen Mytho­lo­gie: Die vier Zwerge Nordi, Surdi, Aus­tri und Vestri (man bemerke die auf­fäl­lige Ähnlich­keit der Namen mit den Him­mels­rich­tun­gen Nor­den, Süden, Osten und Wes­ten) tra­gen den Schä­del des Ymir, aus wel­chem die Asen das Him­mels­ge­wölbe errich­ten. In allen vier Him­mels­rich­tun­gen ste­hen also Zwerge, die — als Gewölbe über der Welt — einen rie­si­gen Schä­del stüt­zen. Im Osten steht der Zwerg Aus­tri — und von dem Namen Aus­tri ist es nicht mehr weit zu den Län­der­be­zeich­nun­gen Aust­ra­sien und Austria.

Chi­ne­si­sche Himmelsrichtungen

In China wurde mit dem Son­nen­auf­gang stets das Gebiet des heu­ti­gen Japan asso­zi­iert. Obwohl die japa­ni­schen Inseln geo­gra­phisch nicht von über­all in China, das his­to­risch teil­weise noch grö­ßer war als heute, im Osten lie­gen, wurde als Him­mels­rich­tung immer der Osten ange­ge­ben. Die chi­ne­si­schen Erd­zweige, die dem Sechzig-Jahres-Rhythmus des Kalen­ders zugrunde lie­gen, sind ein sim­ples Num­me­rie­rungs­sys­tem, das auch zur Angabe von Him­mels­rich­tun­gen ver­wen­det wer­den kann. Da die Ein­tei­lun­gen fei­ner sind als bei den im Wes­ten übli­chen vier bis acht Him­mels­rich­tun­gen, sind bis zu 48 Anga­ben mög­lich — der Osten wird mit dem Erd­zweig Hase angegeben.

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