Dass es in ungewissen Zeitabständen zu Nuklearkatastrophen kommt, ist trotz aller Sicherheitsmaßnahmen vorprogrammiert. Viele Atomkraftwerke werden wegen des Kühlwassers an Stellen erbaut, die nahe am Meer liegen. Manche liegen auf bekannten Erdformationen, die für Erdbeben oder Erdplattenverschiebungen prädestiniert sind. Doch niemand hat damit gerechnet, dass ein Erdbeben und ein Tsunami einem japanischen Atomkraftwerk so zusetzen könnten wie dem in Fukushima.
Die Katastrophe nimmt ihren Lauf
Obwohl kaum ein Nuklearunfall so viel Presse hatte wie der von Fukushima, sind bis heute Unklarheiten über die wahren Sachverhalte und Schäden zu vermelden. Das Unheil begann am 11. März 2011 um genau 14:47 Uhr Ortszeit. Ein Erdbeben sorgte im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi mit seinen sechs Siedewasser-Reaktorenblöcken für einen gravierenden Störfall. In Folge dessen kam es zu mehreren Explosionen und Kernschmelzen, zwei Reaktorgebäude wurden teilweise zerstört. Der Kühlwasserkreislauf in mehreren Abklingbecken kam zum Erliegen. Während stündlich hektische Presserklärungen des Betreibers von Fukushima veröffentlicht wurden, wurde immer unklarer, wie dramatisch es vor Ort tatsächlich aussah. Das ganze Szenario ist bis heute nicht in allen Details geklärt. Fakt ist, dass man aufgrund von Messwerten und Fotos auf Zusammenhänge schließen kann. Die radioaktive Kontamination in Luft, Boden, Wasser und Ernteflächen der landwirtschaftlich genutzten Region sorgte dafür, dass zahlreiche Einwohner ihre Heimatorte verlassen mussten. Die Sperrzone wurde zunächst in unmittelbarer Nähe des Reaktors eingerichtet. Sie wurde später erweitert und gilt auch heute als unzureichend. Hunderttausende Tiere verhungerten während der ersten Zeit in den landwirtschaftlichen Betrieben.
Wie verwaltet man eine Nuklear-Katastrophe?
Man darf davon ausgehen, dass alle Bestrebungen dahin gehen, sie kleiner zu reden und zu vertuschen. In einem eng besiedelten Land wie Japan kann man zudem nicht für Jahrtausende auf Siedlungs– und Anbaufläche verzichten. Obwohl der Atomunfall von Fukushima in die höchste Kategorie nuklearer Katastrophen eingestuft wurde, gibt es Bestrebungen, die kontaminierte Region durch Erdaushub und andere Maßnahmen wieder begehbar zu machen. Die Bewohner sollen wenigstens wichtige Wertsachen und Unterlagen retten können. Demonstrative Versuche japanischer Politiker, die in der Region angebauten Lebensmittel als gesundheitlich unbedenklich zu propagieren, führten in mindestens einem Fall wenige Monate später zu einer Leukämie. Sicher ist heute, dass bei dem Desaster vier von insgesamt sechs Reaktorblöcken zerstört wurden. Bereits im März gab die japanische Regierung bekannt, Fukushima werde stillgelegt. Ob die Reaktorblöcke 5 und 6, die unbeschädigt blieben, weiter betrieben werden, ist unklar. Da die meisten Informationen von der Betreiberfirma Tokyo Electric Power Company (kurz TEPCO) lanciert wurden, ist das wahre Ausmaß der Katastrophe erst in ein paar Jahren absehbar. Dass es Schadenersatzzahlungen geben wird, ist bereits entschieden. Wieviele Tote und Kranke es in Folge erhöhter Strahlung am Ende geben wird, ist unabsehbar. Dass ausgerechnet die Atomnation Japan erneut durch atomare Strahlung schwer betroffen ist, hat viele Atombefürworter nachdenklich gemacht.
Ein neuer Alltag wird vorbereitet
Im November 2011 durfte sich die Presse mit Geigerzählern und Schutzanzügen bewaffnet erstmals direkt ein Bild von den Zerstörungen in Fukushima machen. Auf dem Gelände ist man immer noch bemüht, die Reaktoren und Abklingbecken abzudecken, um weitere Strahlung zu verringern. Die Maßnahmen wirken angesichts des Desasters hilflos und unzureichend. Wie man von Tschernobyl weiß, werden in den folgenden Jahrhunderten weitere Maßnahmen nötig werden. Im Grunde hat man auch in Fukushima keinen Katastrophenplan für ein solches Desaster. Wie auch immer der Alltag in der Region zukünftig aussehen mag: er ist weit entfernt von dem, was vor der Atomkatastrophe möglich war.
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