Nuklearkatastrophe von Fukushima

27. November 2011

Dass es in unge­wis­sen Zeit­ab­stän­den zu Nukle­ar­ka­ta­stro­phen kommt, ist trotz aller Sicher­heits­maß­nah­men vor­pro­gram­miert. Viele Atom­kraft­werke wer­den wegen des Kühl­was­sers an Stel­len erbaut, die nahe am Meer lie­gen. Man­che lie­gen auf bekann­ten Erd­for­ma­tio­nen, die für Erd­be­ben oder Erd­plat­ten­ver­schie­bun­gen prä­des­ti­niert sind. Doch nie­mand hat damit gerech­net, dass ein Erd­be­ben und ein Tsu­nami einem japa­ni­schen Atom­kraft­werk so zuset­zen könn­ten wie dem in Fukushima.

Die Kata­stro­phe nimmt ihren Lauf

Obwohl kaum ein Nukle­ar­un­fall so viel Presse hatte wie der von Fukus­hima, sind bis heute Unklar­hei­ten über die wah­ren Sach­ver­halte und Schä­den zu ver­mel­den. Das Unheil begann am 11. März 2011 um genau 14:47 Uhr Orts­zeit. Ein Erd­be­ben sorgte im Kern­kraft­werk Fukus­hima Daiichi mit sei­nen sechs Siedewasser-Reaktorenblöcken für einen gra­vie­ren­den Stör­fall. In Folge des­sen kam es zu meh­re­ren Explo­sio­nen und Kern­schmel­zen, zwei Reak­tor­ge­bäude wur­den teil­weise zer­stört. Der Kühl­was­ser­kreis­lauf in meh­re­ren Abkling­be­cken kam zum Erlie­gen. Wäh­rend stünd­lich hek­ti­sche Pres­ser­klä­run­gen des Betrei­bers von Fukus­hima ver­öf­fent­licht wur­den, wurde immer unkla­rer, wie dra­ma­tisch es vor Ort tat­säch­lich aus­sah. Das ganze Sze­na­rio ist bis heute nicht in allen Details geklärt. Fakt ist, dass man auf­grund von Mess­wer­ten und Fotos auf Zusam­men­hänge schlie­ßen kann. Die radio­ak­tive Kon­ta­mi­na­tion in Luft, Boden, Was­ser und Ern­te­flä­chen der land­wirt­schaft­lich genutz­ten Region sorgte dafür, dass zahl­rei­che Ein­woh­ner ihre Hei­mat­orte ver­las­sen muss­ten. Die Sperr­zone wurde zunächst in unmit­tel­ba­rer Nähe des Reak­tors ein­ge­rich­tet. Sie wurde spä­ter erwei­tert und gilt auch heute als unzu­rei­chend. Hun­dert­tau­sende Tiere ver­hun­ger­ten wäh­rend der ers­ten Zeit in den land­wirt­schaft­li­chen Betrieben.

Wie ver­wal­tet man eine Nuklear-Katastrophe?

Man darf davon aus­ge­hen, dass alle Bestre­bun­gen dahin gehen, sie klei­ner zu reden und zu ver­tu­schen. In einem eng besie­del­ten Land wie Japan kann man zudem nicht für Jahr­tau­sende auf Sied­lungs– und Anbau­flä­che ver­zich­ten. Obwohl der Atom­un­fall von Fukus­hima in die höchste Kate­go­rie nuklea­rer Kata­stro­phen ein­ge­stuft wurde, gibt es Bestre­bun­gen, die kon­ta­mi­nierte Region durch Erd­aus­hub und andere Maß­nah­men wie­der begeh­bar zu machen. Die Bewoh­ner sol­len wenigs­tens wich­tige Wert­sa­chen und Unter­la­gen ret­ten kön­nen. Demons­tra­tive Ver­su­che japa­ni­scher Poli­ti­ker, die in der Region ange­bau­ten Lebens­mit­tel als gesund­heit­lich unbe­denk­lich zu pro­pa­gie­ren, führ­ten in min­des­tens einem Fall wenige Monate spä­ter zu einer Leuk­ämie. Sicher ist heute, dass bei dem Desas­ter vier von ins­ge­samt sechs Reak­tor­blö­cken zer­stört wur­den. Bereits im März gab die japa­ni­sche Regie­rung bekannt, Fukus­hima werde still­ge­legt. Ob die Reak­tor­blö­cke 5 und 6, die unbe­schä­digt blie­ben, wei­ter betrie­ben wer­den, ist unklar. Da die meis­ten Infor­ma­tio­nen von der Betrei­ber­firma Tokyo Elec­tric Power Com­pany (kurz TEPCO) lan­ciert wur­den, ist das wahre Aus­maß der Kata­stro­phe erst in ein paar Jah­ren abseh­bar. Dass es Scha­den­er­satz­zah­lun­gen geben wird, ist bereits ent­schie­den. Wie­viele Tote und Kranke es in Folge erhöh­ter Strah­lung am Ende geben wird, ist unab­seh­bar. Dass aus­ge­rech­net die Atom­na­tion Japan erneut durch ato­mare Strah­lung schwer betrof­fen ist, hat viele Atom­be­für­wor­ter nach­denk­lich gemacht.

Ein neuer All­tag wird vorbereitet

Im Novem­ber 2011 durfte sich die Presse mit Gei­ger­zäh­lern und Schutz­an­zü­gen bewaff­net erst­mals direkt ein Bild von den Zer­stö­run­gen in Fukus­hima machen. Auf dem Gelände ist man immer noch bemüht, die Reak­to­ren und Abkling­be­cken abzu­de­cken, um wei­tere Strah­lung zu ver­rin­gern. Die Maß­nah­men wir­ken ange­sichts des Desas­ters hilf­los und unzu­rei­chend. Wie man von Tscher­no­byl weiß, wer­den in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten wei­tere Maß­nah­men nötig wer­den. Im Grunde hat man auch in Fukus­hima kei­nen Kata­stro­phen­plan für ein sol­ches Desas­ter. Wie auch immer der All­tag in der Region zukünf­tig aus­se­hen mag: er ist weit ent­fernt von dem, was vor der Atom­ka­ta­stro­phe mög­lich war.

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