Nationalsozialismus
Ursache und Entstehung
Die Ideologie des Nationalsozialismus entwickelte sich in Deutschland und Österreich vor dem historischen Hintergrund eines verlorenen Ersten Weltkrieges und der gesellschaftlichen Entwicklung in Russland. Nach der Oktoberrevolution bildeten sich hier wirtschaftlich und politisch völlig neue Strukturen heraus, die das Kapital ins Abseits drängten und von den anderen europäischen Staaten als Bedrohung für die eigenen innenpolitischen Verhältnisse gesehen wurden. Durch den Versailler Friedensvertrag von 1919 war Deutschland außerdem nicht nur gezwungen, umfangreiche Reparationspflichten zu leisten, sondern musste gleichzeitig schmerzliche Gebietsverluste hinnehmen.
Dem gegenüber stand der Nationale Sozialismus der 1919 gegründeten Deutschen Arbeiterpartei (DAP), die sich 1920 in die NSDAP umbenannte.
Das gedankliche Gebäude des Nationalsozialismus kam vor allem den Zielen völkischer und militanter Gruppen des Deutschen Kaiserreiches, der österreichisch-ungarischen Monarchie und versprengter „weißen“ Emigranten aus Russland entgegen.
Der Nationalsozialismus ist geprägt von zutiefst antidemokratischen, antikommunistischen und antisemitischen Auffassungen.
Die nationalsozialistischen Ideologen bemühten sich um Abgrenzung nicht nur von linksgerichteten und konservativen Parteien, sondern auch vom italienischen Faschismus. Dennoch wird die Bezeichnung Faschismus heute als Oberbegriff auch für das nationalsozialistische Gedankengut verwendet.
Programm des Nationalsozialismus
Mit der Gründung der NSDAP verabschiedete sie gleichzeitig ihr 25-Punkte-Programm, das die wesentlichen außen– und innenpolitischen Ziele formulierte.
Außenpolitisch war man vor Allem bestrebt, die Ergebnisse des Ersten Weltkrieges zu korrigieren und den Versailler Vertrag außer Kraft zu setzen. Darüber hinaus vertraten die Nationalsozialisten die Idee eines vereinigten Großdeutschlands und die Kolonialisierung anderer Länder, um einerseits die Ernährung des deutschen Volkes zu sichern und andererseits Gebiete zur Ansiedlung des sogenannten Bevölkerungsüberschusses zu gewinnen. Sie stützen sich dabei bevorzugt auf die Gebiete in Osteuropa und waren der Ansicht, die Vorherrschaft in Eurasien würde ihnen den Weg zur Weltherrschaft ebnen. Nach 1933 wurden die Ziele der Außenpolitik weitestgehend durchgesetzt.
Anders als das innenpolitische Programm, das teilsweise undurchsetzbare bis skurrile Forderungen enthielt. Aber schon hier wird die antisemitische Grundhaltung, die dem Programm zugrunde liegt, überdeutlich. Juden wird es verwehrt, sich Volksgenosse zu nennen und damit Bestandteil der deutschen Volksgemeinschaft zu sein. Mit anderen Worten, sie wurden für vogelfrei erklärt. Darauf zielt auch die Forderung nach einer Todesstrafe für „gemeine Volksverbrecher“ ab und die praktische Aushebelung der proklamierten Religionsfreiheit, in dem sie nur auf Religionen beschränkt wurde, die den deutschen Staat nicht gefährden.
Viele der innenpolitischen Programmpunkte, wie etwa die allgemeine Arbeitspflicht, der Ausbau der Altersversorgung, der Ausbau der Volksbildung oder das Gesundheitsprogramm sollten zeigen, dass die Nationalsozialisten in der Lage waren, die Interessen der Arbeiter zu vertreten.
Jedoch lehnten die Nationalsozialisten eine Vergesellschaftung der Produktion, wie sie von linksgerichteten Parteien und Strömungen vertreten wurde, strikt ab. Stattdessen wollten sie einen gesunden Mittelstand schaffen, die Kriegsgewinne einziehen und sprachen sich für die Enteignung von Grund und Boden aus, wenn dies gemeinnützigen Zielen diente.
Gemeinnutz vor Eigennutz war schließlich auch die Parole, in der das gesamte Programm gipfelte.
Merkmale des Nationalsozialismus
Der Nationalsozialismus zeichnet sich durch folgende Merkmale aus.
Er beinhaltete ein totalitäres Regime, das alle Ansätze von Demokratie im Keim erstickte, die Gewaltenteilung aufhob, das Einparteiensystem durchsetze und mit Gewalt herrschte (Polizeistaat).
Propaganda und Masseninszenierungen wurden als Machtmittel eingesetzt. Rede– und Pressefreiheit waren aufgehoben. Die Idee vom Herrenmenschen, die „Volk-ohne-Raum-Theorie“ und der „Blut-und-Boden-Mythos“ dienten als Begründung für die Expansionsziele des nationalsozialistischen Staates und gipfelten im Weltmachtstreben. Hinzu kam die Wahnvorstellung, die Welt würde einer jüdischen Verschwörung zum Opfer fallen. Von vielen Historikern wird diese Verschwörungstheorie als eigentliche Kernphilosophie des Nationalsozialismus verstanden.
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Category: Lexikon | Tags: Deutschland, Faschismus, Ideologie, Nationalsozialismus, Politik Kommentare deaktiviert