Latein

23. November 2009

Latein ist die Spra­che Roms

Latein ent­stand im Latium, jener mit­tel­ita­lie­ni­schen Region, deren Zen­trum Rom ist. Latein war Amts– und Umgangs­spra­che im Römi­schen Reich. Aus der Umgangs­spra­che, also aus dem Vul­gär­la­tein, gin­gen alle roma­ni­schen Spra­chen her­vor. Die Amts– und Lite­ra­tur­spra­che Latein liegt uns bis heute als ein nun­mehr Jahr­tau­sende alter Lite­ra­tur­ka­non vor. Der daran geknüpfte Bil­dungs­ge­danke hat das Latein bis in die heu­tige Zeit hin­ein als “tote Spra­che” erhal­ten. Noch immer ist Latein Amts­spra­che im Staat der Vati­kan­stadt, die in Rom liegt. In der Pra­xis wird dort aber meis­tens Ita­lie­nisch gespro­chen. Heute ist Latein nicht nur für die katho­li­sche Kir­che, son­dern auch für die säku­lä­ren USA sehr wich­tig. Mit latei­ni­schen Begrif­fen wur­den zahl­rei­che Insti­tu­tio­nen die­ser säku­lä­ren Macht bezeich­net. “Senat”, “Kon­gress” und “Capi­tol” sind Begriffe aus dem Lateinischen.

Latein hat eine logi­sche, aber nicht unbe­dingt ein­fa­che Grammatik

Wer in der Schule Latein gelernt hat, erin­nert sich viel­leicht noch an das Pau­ken von nicht enden wol­len­den Dekli­na­ti­ons– und Kon­ju­ga­ti­ons­ta­bel­len. Tat­säch­lich ist die latei­ni­sche Gram­ma­tik reich an unter­schied­li­chen Endun­gen für das­selbe Wort, das hängt dann ganz von der Funk­tion des Wor­tes im Satz ab. Bei Sub­stan­ti­ven und Adjek­ti­ven han­delt es sich um Dekli­na­tio­nen, bei Ver­ben um Kon­ju­ga­tio­nen. Beson­ders der Reich­tum an unter­schied­li­chen Ver­b­zei­ten und Ver­b­for­men ist beacht­lich. Schü­ler, die Latein auf der Schule ler­nen, fin­den das dann außer­ge­wöhn­lich, da die ande­ren Schul­fremd­spra­chen, Eng­lisch und Fran­zö­sisch, nicht so kom­plex sind. Den­noch könnte man Latein durch­aus gut genug ler­nen, um es auch flüs­sig zu spre­chen. Meis­tens strebt man aber im Unter­richt eine so dyna­mi­sche Sprach­be­herr­schung gar nicht an, da es sich eben um eine “tote Spra­che” handelt.

Klas­si­sches Latein

Klas­si­sches Latein war die Bil­dungs­spra­che des Römi­schen Reichs. Zahl­rei­che Schrift­stel­ler, Dich­ter und Poli­ti­ker benutz­ten zur Blü­te­zeit des Römi­schen Rei­ches die latei­ni­sche Spra­che auf sehr anspruchs­volle und krea­ti­ver Weise. So ent­wi­ckelte sich das Latein zu einem sehr ele­gan­ten und wohl­fei­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel. Die Werke die­ser groß­ar­ti­gen Den­ker soll­ten lange wäh­ren. Wäh­rend die Rui­nen des alten Roms zwi­schen dem Kot der Kat­zen und den Aus­puf­f­ab­ga­sen der römi­schen Autos unwi­der­bring­lich ver­fal­len, lesen wir wei­ter­hin Wort für Wort die mehr als zwei­tau­send Jahre alten lite­ra­ri­schen Werke. Zu den belieb­tes­ten Auto­ren der klas­si­schen Phase gehö­ren Mar­cus Tul­lius Cicero, Julius Cae­sar, Titus Livius, Quin­tus Hora­tius Flac­cus (“Horaz”), Publius Ver­gi­lius Maro (“Ver­gil”) und Titus Petronius.

Mit dem Ver­fall des Römi­schen Rei­ches wurde Latein zur Literatursprache

Die Völ­ker­wan­de­run­gen der Spät­an­tike und die Ein­füh­rung des Chris­ten­tums stell­ten epo­chale Ver­än­de­run­gen dar, die zur neuen Völ­k­er­ord­nung des frü­hen Mit­tel­al­ters führ­ten. Seit dem 9. Jahr­hun­dert n. Chr. wur­den im Mit­tel­meer­raum Pre­dig­ten in den roma­ni­schen Volks­spra­chen und nicht mehr auf Latein gehal­ten. Zur sel­ben Zeit mach­ten in Deutsch­land Mön­che erst­mals Noti­zen auf Deutsch in ihre latei­ni­schen Bibel­ab­schrif­ten. Latein lebt nun nur noch als Lite­ra­tur­ka­non weiter.

Wäh­rend der Renais­sance­zeit erwacht in Deutsch­land erneu­tes Inter­esse an Latein

Mit dem Werk von Mar­tin Luther und ande­ren Reform­theo­lo­gen kommt es in Deutsch­land zur Renais­sance­zeit zu erneu­tem Inter­esse an der latei­ni­schen Spra­che. Latein­schu­len ent­ste­hen. Zur sel­ben Zeit erfolgt auch die Bil­dung einer stan­dard­deut­schen Sprach­norm. Latei­ni­sche Syn­tax– und Gram­ma­tik­struk­tu­ren fin­den Ein­gang ins Deut­sche. Deutsch hat tat­säch­lich etwas mit Latein zu tun. Auch in ande­ren Spra­chen wur­den Stan­dard­gram­ma­ti­ken ent­wi­ckelt, die sich etwas an das Latein anleh­nen. Selbst die roma­ni­schen Spra­chen, die ohne­hin auf das Latein zurück­ge­hen, neh­men nun auch diese neuen Ein­flüsse des Bil­dungs­la­teins mit in ihre Struk­tu­ren auf.

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