Latein
Latein ist die Sprache Roms
Latein entstand im Latium, jener mittelitalienischen Region, deren Zentrum Rom ist. Latein war Amts– und Umgangssprache im Römischen Reich. Aus der Umgangssprache, also aus dem Vulgärlatein, gingen alle romanischen Sprachen hervor. Die Amts– und Literatursprache Latein liegt uns bis heute als ein nunmehr Jahrtausende alter Literaturkanon vor. Der daran geknüpfte Bildungsgedanke hat das Latein bis in die heutige Zeit hinein als “tote Sprache” erhalten. Noch immer ist Latein Amtssprache im Staat der Vatikanstadt, die in Rom liegt. In der Praxis wird dort aber meistens Italienisch gesprochen. Heute ist Latein nicht nur für die katholische Kirche, sondern auch für die säkulären USA sehr wichtig. Mit lateinischen Begriffen wurden zahlreiche Institutionen dieser säkulären Macht bezeichnet. “Senat”, “Kongress” und “Capitol” sind Begriffe aus dem Lateinischen.
Latein hat eine logische, aber nicht unbedingt einfache Grammatik
Wer in der Schule Latein gelernt hat, erinnert sich vielleicht noch an das Pauken von nicht enden wollenden Deklinations– und Konjugationstabellen. Tatsächlich ist die lateinische Grammatik reich an unterschiedlichen Endungen für dasselbe Wort, das hängt dann ganz von der Funktion des Wortes im Satz ab. Bei Substantiven und Adjektiven handelt es sich um Deklinationen, bei Verben um Konjugationen. Besonders der Reichtum an unterschiedlichen Verbzeiten und Verbformen ist beachtlich. Schüler, die Latein auf der Schule lernen, finden das dann außergewöhnlich, da die anderen Schulfremdsprachen, Englisch und Französisch, nicht so komplex sind. Dennoch könnte man Latein durchaus gut genug lernen, um es auch flüssig zu sprechen. Meistens strebt man aber im Unterricht eine so dynamische Sprachbeherrschung gar nicht an, da es sich eben um eine “tote Sprache” handelt.
Klassisches Latein
Klassisches Latein war die Bildungssprache des Römischen Reichs. Zahlreiche Schriftsteller, Dichter und Politiker benutzten zur Blütezeit des Römischen Reiches die lateinische Sprache auf sehr anspruchsvolle und kreativer Weise. So entwickelte sich das Latein zu einem sehr eleganten und wohlfeinen Kommunikationsmittel. Die Werke dieser großartigen Denker sollten lange währen. Während die Ruinen des alten Roms zwischen dem Kot der Katzen und den Auspuffabgasen der römischen Autos unwiderbringlich verfallen, lesen wir weiterhin Wort für Wort die mehr als zweitausend Jahre alten literarischen Werke. Zu den beliebtesten Autoren der klassischen Phase gehören Marcus Tullius Cicero, Julius Caesar, Titus Livius, Quintus Horatius Flaccus (“Horaz”), Publius Vergilius Maro (“Vergil”) und Titus Petronius.
Mit dem Verfall des Römischen Reiches wurde Latein zur Literatursprache
Die Völkerwanderungen der Spätantike und die Einführung des Christentums stellten epochale Veränderungen dar, die zur neuen Völkerordnung des frühen Mittelalters führten. Seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. wurden im Mittelmeerraum Predigten in den romanischen Volkssprachen und nicht mehr auf Latein gehalten. Zur selben Zeit machten in Deutschland Mönche erstmals Notizen auf Deutsch in ihre lateinischen Bibelabschriften. Latein lebt nun nur noch als Literaturkanon weiter.
Während der Renaissancezeit erwacht in Deutschland erneutes Interesse an Latein
Mit dem Werk von Martin Luther und anderen Reformtheologen kommt es in Deutschland zur Renaissancezeit zu erneutem Interesse an der lateinischen Sprache. Lateinschulen entstehen. Zur selben Zeit erfolgt auch die Bildung einer standarddeutschen Sprachnorm. Lateinische Syntax– und Grammatikstrukturen finden Eingang ins Deutsche. Deutsch hat tatsächlich etwas mit Latein zu tun. Auch in anderen Sprachen wurden Standardgrammatiken entwickelt, die sich etwas an das Latein anlehnen. Selbst die romanischen Sprachen, die ohnehin auf das Latein zurückgehen, nehmen nun auch diese neuen Einflüsse des Bildungslateins mit in ihre Strukturen auf.
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Category: Lexikon | Tags: Bildung, Latein, Sprachen Kommentare deaktiviert