Inglourious Basterds

5. November 2009

2009 war das Jahr, in dem die zahl­rei­chen Fans von Quen­tin Taran­tino end­lich für ihr lan­ges War­ten belohnt wur­den. Denn im August star­tete mit Ing­lou­rious Bas­terds ein Film, der nicht nur zahl­rei­che Kri­ti­ker, son­dern auch die treuen Fans des unkon­ven­tio­nel­len Regis­seurs zufrie­den stellte. Und das, obwohl er in einem für Taran­tino recht unge­wöhn­li­chen zeit­li­chen Rah­men spielt.

Beklem­mend ruhi­ger Beginn

Statt im Ame­rika der Gegen­wart spielt Ing­lou­rious Bas­terds näm­lich haupt­säch­lich im von den Nazis besetz­ten Frank­reich zur Zeit des Zwei­ten Welt­krie­ges. Gleich in der ers­ten Szene wird einer der Haupt­cha­rak­tere ein­ge­führt. SS-Standartenführer Hans Landa (gran­dios gespielt von Chris­toph Waltz) besucht eine fran­zö­si­sche Bau­ern­fa­mi­lie auf dem Land, auf der Suche nach ver­steckt gehal­te­nen Juden. Diese Szene ist beklem­mend ruhig insze­niert und zeugt vom typi­schen Tarantino-Humor, der sich im raf­fi­niert geschrie­be­nen Dia­log zwi­schen dem Bau­ern und Landa wider­spie­gelt. Dass diese Szene nicht so ruhig endet, wie sie beginnt, ver­steht sich von selbst.

“Und ich will meine Skalps”

Ganz und gar nicht ruhig geht es zu in einer bri­ti­schen Kaserne, in der Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) eine jüdi­sche Ein­heit dar­auf ein­stimmt, hin­ter feind­li­cher Linie gna­den­los Jagd auf die Nazis zu machen. Und das ist genau so gemeint, wie es klingt, will Lt. Raine doch von jedem getö­te­ten Nazi einen Skalp in den Hän­den hal­ten, was auf seine india­ni­sche Her­kunft ver­weist. Nach geglück­ter Lan­dung in Frank­reich ist die kleine Gruppe so erfolg­reich, dass sie von den Nazis den titel­ge­ben­den Spitz­na­men “Bas­terds” bekommt. Ein paar Nazis las­sen sie auch frei, nicht jedoch, ohne ihnen ein brand­mar­ken­des Haken­kreuz in die Stirn zu rit­zen. Im Film wird dies — ganz Tarantino-typisch — detail­liert gezeigt, sodass zart besai­tete Zuschauer in die­sen Sze­nen lie­ber weg schauen sollten.

Kino im Kino

Ein drit­ter Hand­lungs­zweig ist der der fran­zö­si­schen Kino­be­sit­ze­rin Sho­sanna (Méla­nie Lau­rent). Sie ist die Toch­ter des Bau­ern aus der ers­ten Szene, konnte flie­hen und sich unter dem Deck­na­men Emma­nu­elle Mimieux eine neue Exis­tenz auf­bauen. In ihr keimt jedoch auch der Wunsch nach Rache an den Nazis, die ihre Fami­lie aus­lösch­ten, und als der deut­sche Sol­dat Fre­de­rick Zol­ler (Daniel Brühl) Joseph Goeb­bels dazu über­re­den kann, einen Pro­pa­gan­da­film in Sho­san­nas Kino urauf­füh­ren zu las­sen, sieht diese ihre Chance: sie will das Kino und die dort ver­sam­melte Nazi­pro­mi­nenz anzün­den. Bri­sant wird es, als auch die Bas­terds Wind davon bekom­men, dass die gesamte erste Nazi­riege im Kino anwe­send sein wird und den Coup pla­nen, Hit­ler dort zu töten.

Taran­ti­nos Mammutprojekt

Ing­lou­rious Bas­terds ist Quen­tin Taran­ti­nos bis­lang opu­len­tes­tes Werk. Nicht nur, weil der Film in der Kino­fas­sung 154 Minu­ten dau­ert. Das gesamte Set­ting ist lie­be­voll auf die The­ma­tik des Zwei­ten Welt­krie­ges abge­stimmt. Und auch die Beset­zung ist erst­klas­sig. Sowohl hoch­ka­rä­tige Hol­ly­wood­stars wie Brad Pitt, aber auch unbe­kann­tere Schau­spie­ler und eine ganze Reihe deut­scher Dar­stel­ler (sogar kleinste Rol­len wie die eines Bar­manns, der von Chris­tian Ber­kel ver­kör­pert wird, sind stark besetzt) holen das letzte aus der Schauspiel-Trickkiste her­vor. Beson­ders die Dar­stel­lung des Öster­rei­chers Chris­toph Waltz wurde inter­na­tio­nal gelobt und zu recht mit dem Prä­di­kat “oscar­reif” gewür­digt. Auf den Film­fest­spie­len in Can­nes bekam Waltz bereits den Darstellerpreis.

Kino zum Entdecken

Film­freunde wer­den sich also kaum satt sehen kön­nen an Ing­lou­rious Bas­terds. Dafür sor­gen zum einen die Story, die die wahre, his­to­ri­sche Geschichte quasi kom­plett außer Acht lässt, die Dar­stel­ler und die opu­lente Aus­stat­tung, zum ande­ren aber auch Klei­nig­kei­ten, wie ein Cameo­auf­tritt des Die-Ärzte-Schlagzeugers Bela B.

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