2009 war das Jahr, in dem die zahlreichen Fans von Quentin Tarantino endlich für ihr langes Warten belohnt wurden. Denn im August startete mit Inglourious Basterds ein Film, der nicht nur zahlreiche Kritiker, sondern auch die treuen Fans des unkonventionellen Regisseurs zufrieden stellte. Und das, obwohl er in einem für Tarantino recht ungewöhnlichen zeitlichen Rahmen spielt.
Beklemmend ruhiger Beginn
Statt im Amerika der Gegenwart spielt Inglourious Basterds nämlich hauptsächlich im von den Nazis besetzten Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Gleich in der ersten Szene wird einer der Hauptcharaktere eingeführt. SS-Standartenführer Hans Landa (grandios gespielt von Christoph Waltz) besucht eine französische Bauernfamilie auf dem Land, auf der Suche nach versteckt gehaltenen Juden. Diese Szene ist beklemmend ruhig inszeniert und zeugt vom typischen Tarantino-Humor, der sich im raffiniert geschriebenen Dialog zwischen dem Bauern und Landa widerspiegelt. Dass diese Szene nicht so ruhig endet, wie sie beginnt, versteht sich von selbst.
“Und ich will meine Skalps”
Ganz und gar nicht ruhig geht es zu in einer britischen Kaserne, in der Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) eine jüdische Einheit darauf einstimmt, hinter feindlicher Linie gnadenlos Jagd auf die Nazis zu machen. Und das ist genau so gemeint, wie es klingt, will Lt. Raine doch von jedem getöteten Nazi einen Skalp in den Händen halten, was auf seine indianische Herkunft verweist. Nach geglückter Landung in Frankreich ist die kleine Gruppe so erfolgreich, dass sie von den Nazis den titelgebenden Spitznamen “Basterds” bekommt. Ein paar Nazis lassen sie auch frei, nicht jedoch, ohne ihnen ein brandmarkendes Hakenkreuz in die Stirn zu ritzen. Im Film wird dies — ganz Tarantino-typisch — detailliert gezeigt, sodass zart besaitete Zuschauer in diesen Szenen lieber weg schauen sollten.
Kino im Kino
Ein dritter Handlungszweig ist der der französischen Kinobesitzerin Shosanna (Mélanie Laurent). Sie ist die Tochter des Bauern aus der ersten Szene, konnte fliehen und sich unter dem Decknamen Emmanuelle Mimieux eine neue Existenz aufbauen. In ihr keimt jedoch auch der Wunsch nach Rache an den Nazis, die ihre Familie auslöschten, und als der deutsche Soldat Frederick Zoller (Daniel Brühl) Joseph Goebbels dazu überreden kann, einen Propagandafilm in Shosannas Kino uraufführen zu lassen, sieht diese ihre Chance: sie will das Kino und die dort versammelte Naziprominenz anzünden. Brisant wird es, als auch die Basterds Wind davon bekommen, dass die gesamte erste Naziriege im Kino anwesend sein wird und den Coup planen, Hitler dort zu töten.
Tarantinos Mammutprojekt
Inglourious Basterds ist Quentin Tarantinos bislang opulentestes Werk. Nicht nur, weil der Film in der Kinofassung 154 Minuten dauert. Das gesamte Setting ist liebevoll auf die Thematik des Zweiten Weltkrieges abgestimmt. Und auch die Besetzung ist erstklassig. Sowohl hochkarätige Hollywoodstars wie Brad Pitt, aber auch unbekanntere Schauspieler und eine ganze Reihe deutscher Darsteller (sogar kleinste Rollen wie die eines Barmanns, der von Christian Berkel verkörpert wird, sind stark besetzt) holen das letzte aus der Schauspiel-Trickkiste hervor. Besonders die Darstellung des Österreichers Christoph Waltz wurde international gelobt und zu recht mit dem Prädikat “oscarreif” gewürdigt. Auf den Filmfestspielen in Cannes bekam Waltz bereits den Darstellerpreis.
Kino zum Entdecken
Filmfreunde werden sich also kaum satt sehen können an Inglourious Basterds. Dafür sorgen zum einen die Story, die die wahre, historische Geschichte quasi komplett außer Acht lässt, die Darsteller und die opulente Ausstattung, zum anderen aber auch Kleinigkeiten, wie ein Cameoauftritt des Die-Ärzte-Schlagzeugers Bela B.
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