Christkind

14. Dezember 2011

Das Christ­kind, wie wir es uns heut­zu­tage vor­stel­len, ver­dan­ken wir ver­mut­lich Mar­tin Luther: blond­ge­lockte Haare, Engels­flü­gel, ein wei­ßes Kleid, ein leuch­ten­der Hei­li­gen­schein, blaue Augen und ein warm­her­zi­ges Lächeln. Luther erweckte die weih­nacht­li­che Sym­bol­fi­gur im 16. Jahr­hun­dert zum Leben.
In vie­len Städ­ten und Orten wer­den die, die am 24. oder am 25. Dezem­ber Geburts­tag haben, als Christ­kind bezeichnet.

Bedeu­tung

Das Christ­kind ist, wie der Weih­nachts­mann oder der Niko­laus, eine Sym­bol­fi­gur der Weih­nachts­zeit. Es bringt, wie Eltern ihren Kin­dern erzäh­len, in der Nacht von Hei­lig­abend zum Ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag unge­se­hen die Geschenke in die Häu­ser. Es zün­det die Ker­zen am Weih­nachts­baum an und wenn man genau hin­hört, kann man sein sil­ber­nes Glöck­chen läu­ten hören. Aller­dings beschenkt es nur die „arti­gen“ Kin­der, wäh­rend die „Unge­hor­sa­men“ zwar nicht wie bei Knecht Ruprecht mit der Rute bestraft wer­den, aber dafür keine Geschenke erhalten.

Ver­brei­tung

Heute ist vor Allem in der Schweiz, in Öster­reich, in katho­li­schen Regio­nen Deutsch­lands sowie in der Region um Nürn­berg das Christ­kind ver­brei­tet. Anfangs kannte man es nur in evan­ge­li­schen Gebie­ten Deutsch­lands, spä­ter brei­tete sich der Brauch nach Bay­ern, ins Rhein­land und bis hin nach Öster­reich aus. Das ursprüng­lich evan­ge­li­sche Christ­kind ist inzwi­schen haupt­säch­lich in über­wie­gend katho­li­schen Gebie­ten verbreitet.

Geschichte

Die Ent­wick­lung des Christ­kinds hat zwei gegen­sätz­li­che Sei­ten: zum Einen ersetzte die evan­ge­li­sche Sym­bol­fi­gur erst die Niko­laus­fi­gur der Katho­li­ken, zum Ande­ren wurde das Christ­kind schließ­lich bei den Evan­ge­lis­ten durch den Weih­nachts­mann abge­löst, wäh­rend es bei den Katho­li­ken zum “Geschen­ke­brin­ger” wurde.
Die Ent­ste­hung des Christ­kinds wird dem Refor­man­ten Mar­tin Luther zuge­schrie­ben, der es etwa im Jahre 1535 als Nikolaus-Ersatz erfand. Diese These ist aller­dings umstrit­ten, da es keine ein­deu­ti­gen Beweise dafür gibt.
Im Mit­tel­al­ter wur­den die Kin­der nicht, wie man es heut­zu­tage kennt, am Hei­lig­abend bzw. am Ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag beschenkt, son­dern am 6. Dezem­ber, dem Niko­laus­tag, oder am 28. Dezem­ber, dem „Tag der unschul­di­gen Kin­der“. Dies änderte sich mit der Refor­ma­tion, da die Pro­tes­tan­ten mit den Hei­li­gen der Katho­li­ken, dar­un­ter dem­ent­spre­chend auch der Niko­laus, nichts zu tun haben woll­ten. Der Brauch des Schen­kens am Niko­laus­tag sollte jedoch nicht ver­lo­ren gehen, des­halb ersetzte Luther den Niko­laus durch das elsäs­si­sche Christ­kind und ver­schob das Schen­ken vom Niko­laus­tag auf den Hei­lig­abend bzw. den ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag. Erst nach 1900 wurde das Christ­kind, das vor­her nur bei den Evan­ge­lis­ten üblich war — zusam­men mit dem Advents­kranz und dem Weih­nachts­baum — auch bei den Katho­li­ken zur Tra­di­tion. Bei den Pro­tes­tan­ten ver­lor es dage­gen immer mehr an Bedeu­tung, da es nach und nach durch die Figur des Weih­nachts­man­nes ersetzt wurde. Dem­zu­folge beschenkt heut­zu­tage das anfäng­lich evan­ge­li­sche Christ­kind zu Weih­nach­ten in ers­ter Linie katho­li­sche Kinder.

Christ­kind und Christuskind

Das Christ­kind wird oft mit dem Chris­tus­kind Jesus gleich­ge­setzt, hat mit ihm in Wirk­lich­keit jedoch kei­ner­lei Ver­bin­dung. Für die oft­ma­lige Ver­wechs­lung sind ver­mut­lich die dama­li­gen Weih­nachts­um­züge und Krip­pen­spiele ver­ant­wort­lich, bei denen ein „Christ­kind“ die Engels­schar anführte oder die­ses zur Krippe zog, um das Chris­tus­kind zu beschenken.

Kin­der­post an das Christkind

In der Vor­weih­nachts­zeit schi­cken viele Kin­der Briefe mit ihren Weih­nachts­wün­schen an das Christ­kind. Diese Briefe wer­den an extra dafür vor­ge­se­hene Post­äm­ter wei­ter­ge­lei­tet, die sie nicht nur sam­meln, son­dern meis­tens auch beant­wor­ten. Solch ein Post­amt gibt es z. B. seit 1950
auch im ober­ös­ter­rei­chi­schen Christ­kindl, einem Stadt­teil von Stey­rer, wo die Briefe — etwa zwei Mil­lio­nen pro Jahr – mit einen Son­der­stem­pel gekenn­zeich­net wer­den.
Wäh­rend in der Schweiz die Schwei­ze­ri­sche Post jedes Jahr über 17.000 Kin­der­briefe beant­wor­tet, über­neh­men diese Auf­gabe in Deutsch­land die Weih­nachts­post­äm­ter der Deut­schen Post AG.

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