Mit der Wahl des Kardinals von Valencia, Alonso de Borja, zum römisch-katholischen Papst Kalixt III. (Pontifikat 1455 bis 1458) begann der Aufstieg des spanischen Adelsgeschlechts Borja (italienisiert: Borgia) auf europäischer Ebene. Insbesondere Kalixts Neffe Rodrigo, der als Papst Alexander VI. von 1492 bis 1503 auf dem Stuhl Petri regierte, und dessen Kinder Lucrezia und Cesare sind als Repräsentanten eigennützig-nepotistischer und gewalttätig-korrupter Renaissance-Herrschaft berühmt geworden.
Aufstieg eines Adelsgeschlechts:
Die Borjas stammten aus der Region um die katalanischen Städte Valencia und Xàtiva, die im 15. Jahrhundert zum Königreich von Valencia und damit zur Krone von Argon gehörte. Die Ursprünge der Familie sind strittig. Es gilt aber als sicher, dass Behauptungen, nach denen die Borjas sephardisch-jüdische Vorfahren gehabt haben sollten, unzutreffend sind. Nicht wenige der zum niederen Adel zählenden Borjas hatten Hof– und Diplomatenfunktionen für die aragonesischen Monarchen inne. Der erste bedeutende Borja, der renommierte Kirchenjurist Alonso de Borja (1378–1458), war 1444 zum Kardinal erhoben worden. Er wurde 77-jährig im Jahr 1455 als Kompromiss-Kandidat zum Papst gewählt. Sein dreijähriges Pontifikat als Calixt III. gilt als von hemmungsloser Vettern– und Günstlingswirtschaft geprägt. Insbesondere förderte er die Karrieren seiner Neffen Luis Juan del Milà (seit 1456 Kardinal) und Rodrigo de Borja.
Kardinal Rodrigo Borgia:
Rodrigo Borgia (katalanisch: Roderic Llançol i de Borja) (1431–1503) wurde bereits mit 25 Jahren von seinem Onkel zum Kardinal erhoben. Mehr als 30 kirchliche Pfründe machten ihn zu einem der reichsten Männer seiner Zeit. Obwohl Geistlicher, verbarg er seine zahlreichen Liebesaffären kaum und zeugte mit seiner Mätresse Vanozza de’ Cattanei vier Kinder, darunter auch Cesare und Lucrezia. Sein politisches Geschick im Umgang mit den Männern der Kurie und den in Rom dominierenden Adelsfamilien sowie Bestechung des Wahlkollegiums verschaffte ihm 1492 die notwendige Mehrheit bei der Papstwahl.
Pontifikat von Alexander VI.:
Als Alexander VI. übte er eine skrupellose Macht– und Prestigepolitik aus, die ereignishistorisch unter Anderem bestimmt wurde durch die Aufteilung der „Neuen Welt“ zwischen Spanien und Portugal durch seine Bulle „Inter Caetera II.“ (1493), der Hinrichtung des papstkritischen und charismatischen Mönches Savonarola (1498) und zahlreichen militärischen, meist mit französischer Unterstützung durchgeführten Engagements. Einer von Alexanders Hauptanliegen, die Etablierung einer Borgia-Dynastie in der Romagna, scheiterte nicht zuletzt an seinem plötzlichem Tod im Jahr 1503.
Cesare und Lucrezia Borgia:
Damit endeten auch die Ambitionen vieler von Alexander VI. massiv geförderter Personen. Mehrere Borgias wurden von Alexander VI. zu Kardinälen bestimmt, darunter auch sein illegitimer, aber anerkannter Sohn Cesare (1475–1507), der sich aber schließlich von seinem Kleriker-Amt entbinden ließ, um als Feldherr Machtpolitik zu treiben. Cesare Borgia, dem Machiavelli als Archetyp eines amoralischen und verschlagenen Condottieri-Söldnerführers ein literarisches Denkmal gesetzt hatte, verfolgte den Plan, mit Hilfe seines Vaters und französischer Unterstützung eine dauerhafte Herrschaft in Mittelitalien zu errichten. Nach dem Tod des Vaters verlor er aber die Herrschaft über die Romagna und starb schließlich auf dem Schlachtfeld.
Im Gegensatz zu ihrem Bruder hat Lucrezia Borgia (1480–1519) den ihr oft zugewiesenen Ruf als ähnlich skrupellos und einflussreiche Intrigantin mit ziemlicher Sicherheit nicht verdient. Sie ist vor allem als ungewöhnlich selbstbewußte junge Frau aufgefallen, die sich aber letztlich dem Willen ihres Vaters beugte und drei politische Ehen eingehen musste, von denen die eine durch Annullierung und die zweite durch Mord endete. Bis zu ihrem baldigen Lebensende führte Lucrezia mit ihrem dritten Ehemann, dem Herzog von Ferrara, ein gesichertes Leben.
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