Borgia

12. November 2011

Mit der Wahl des Kar­di­nals von Valen­cia, Alonso de Borja, zum römisch-katholischen Papst Kalixt III. (Pon­ti­fi­kat 1455 bis 1458) begann der Auf­stieg des spa­ni­schen Adels­ge­schlechts Borja (ita­lie­ni­siert: Bor­gia) auf euro­päi­scher Ebene. Ins­be­son­dere Kalixts Neffe Rod­rigo, der als Papst Alex­an­der VI. von 1492 bis 1503 auf dem Stuhl Petri regierte, und des­sen Kin­der Lucre­zia und Cesare sind als Reprä­sen­tan­ten eigennützig-nepotistischer und gewalttätig-korrupter Renaissance-Herrschaft berühmt geworden.

Auf­stieg eines Adelsgeschlechts:

Die Bor­jas stamm­ten aus der Region um die kata­la­ni­schen Städte Valen­cia und Xàtiva, die im 15. Jahr­hun­dert zum König­reich von Valen­cia und damit zur Krone von Argon gehörte. Die Ursprünge der Fami­lie sind strit­tig. Es gilt aber als sicher, dass Behaup­tun­gen, nach denen die Bor­jas sephardisch-jüdische Vor­fah­ren gehabt haben soll­ten, unzu­tref­fend sind. Nicht wenige der zum nie­de­ren Adel zäh­len­den Bor­jas hat­ten Hof– und Diplo­ma­ten­funk­tio­nen für die ara­go­ne­si­schen Mon­ar­chen inne. Der erste bedeu­tende Borja, der renom­mierte Kir­chen­ju­rist Alonso de Borja (1378–1458), war 1444 zum Kar­di­nal erho­ben wor­den. Er wurde 77-jährig im Jahr 1455 als Kompromiss-Kandidat zum Papst gewählt. Sein drei­jäh­ri­ges Pon­ti­fi­kat als Calixt III. gilt als von hem­mungs­lo­ser Vet­tern– und Günst­lings­wirt­schaft geprägt. Ins­be­son­dere för­derte er die Kar­rie­ren sei­ner Nef­fen Luis Juan del Milà (seit 1456 Kar­di­nal) und Rod­rigo de Borja.

Kar­di­nal Rod­rigo Borgia:

Rod­rigo Bor­gia (kata­la­nisch: Rode­ric Llançol i de Borja) (1431–1503) wurde bereits mit 25 Jah­ren von sei­nem Onkel zum Kar­di­nal erho­ben. Mehr als 30 kirch­li­che Pfründe mach­ten ihn zu einem der reichs­ten Män­ner sei­ner Zeit. Obwohl Geist­li­cher, ver­barg er seine zahl­rei­chen Lie­bes­af­fä­ren kaum und zeugte mit sei­ner Mätresse Vanozza de’ Cat­ta­nei vier Kin­der, dar­un­ter auch Cesare und Lucre­zia. Sein poli­ti­sches Geschick im Umgang mit den Män­nern der Kurie und den in Rom domi­nie­ren­den Adels­fa­mi­lien sowie Beste­chung des Wahl­kol­le­gi­ums ver­schaffte ihm 1492 die not­wen­dige Mehr­heit bei der Papst­wahl.

Pon­ti­fi­kat von Alex­an­der VI.:

Als Alex­an­der VI. übte er eine skru­pel­lose Macht– und Pres­ti­ge­po­li­tik aus, die ereig­nis­his­to­risch unter Ande­rem bestimmt wurde durch die Auf­tei­lung der „Neuen Welt“ zwi­schen Spa­nien und Por­tu­gal durch seine Bulle „Inter Cae­tera II.“ (1493), der Hin­rich­tung des papst­kri­ti­schen und cha­ris­ma­ti­schen Mön­ches Savon­a­rola (1498) und zahl­rei­chen mili­tä­ri­schen, meist mit fran­zö­si­scher Unter­stüt­zung durch­ge­führ­ten Enga­ge­ments. Einer von Alex­an­ders Haupt­an­lie­gen, die Eta­blie­rung einer Borgia-Dynastie in der Roma­gna, schei­terte nicht zuletzt an sei­nem plötz­li­chem Tod im Jahr 1503.

Cesare und Lucre­zia Borgia:

Damit ende­ten auch die Ambi­tio­nen vie­ler von Alex­an­der VI. mas­siv geför­der­ter Per­so­nen. Meh­rere Bor­gias wur­den von Alex­an­der VI. zu Kar­di­nä­len bestimmt, dar­un­ter auch sein ille­gi­ti­mer, aber aner­kann­ter Sohn Cesare (1475–1507), der sich aber schließ­lich von sei­nem Kleriker-Amt ent­bin­den ließ, um als Feld­herr Macht­po­li­tik zu trei­ben. Cesare Bor­gia, dem Machia­velli als Arche­typ eines amo­ra­li­schen und ver­schla­ge­nen Condottieri-Söldnerführers ein lite­ra­ri­sches Denk­mal gesetzt hatte, ver­folgte den Plan, mit Hilfe sei­nes Vaters und fran­zö­si­scher Unter­stüt­zung eine dau­er­hafte Herr­schaft in Mit­tel­ita­lien zu errich­ten. Nach dem Tod des Vaters ver­lor er aber die Herr­schaft über die Roma­gna und starb schließ­lich auf dem Schlachtfeld.

Im Gegen­satz zu ihrem Bru­der hat Lucre­zia Bor­gia (1480–1519) den ihr oft zuge­wie­se­nen Ruf als ähnlich skru­pel­los und ein­fluss­rei­che Intri­gan­tin mit ziem­li­cher Sicher­heit nicht ver­dient. Sie ist vor allem als unge­wöhn­lich selbst­be­wußte junge Frau auf­ge­fal­len, die sich aber letzt­lich dem Wil­len ihres Vaters beugte und drei poli­ti­sche Ehen ein­ge­hen musste, von denen die eine durch Annul­lie­rung und die zweite durch Mord endete. Bis zu ihrem bal­di­gen Lebens­ende führte Lucre­zia mit ihrem drit­ten Ehe­mann, dem Her­zog von Fer­rara, ein gesi­cher­tes Leben.

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