Borderline-Persönlichkeitsstörung

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Ob Frau oder Mann, jung oder Alt — psy­chi­sche Stö­run­gen kön­nen jeden tref­fen und haben ganz unter­schied­li­che Ursa­chen. Wäh­rend man einen Hus­ten oder ein gebro­che­nes Bein schnell und pro­blem­los behan­deln kann, sind Stö­run­gen der Psy­che nicht so von einem auf den ande­ren Tag zu behe­ben, son­dern bedür­fen inten­si­ver The­ra­pie und gehö­ren in die Hände fach­li­cher Kom­pe­tenz. Die Bor­der­line–Per­sön­lich­keits­stö­rung ist eine ziem­lich neu­mo­derne see­li­sche Stö­rung, mit der sich erst in den letz­ten Jah­ren aus­gie­bi­ger beschäf­tigt wurde. Obwohl es sie sicher­lich schon lange gibt, ist sie bis­wei­len eher uner­forscht und erst im Laufe der letz­ten Jahre mehr ins Blick­feld der Medi­zin gerückt.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Bei die­ser see­li­schen Erkran­kung han­delt es sich um eine Per­sön­lich­keits­stö­rung, die mit einer enor­men Insta­bi­li­tät in sozia­len Bezie­hun­gen und in der Stim­mung ein­her­geht. Betrof­fene haben ein sehr ver­zerr­tes Selbst­bild, lei­den häu­fig unter Depres­sio­nen und zei­gen meist ein selbst­ver­let­zen­des und selbst­ge­fähr­de­tes Ver­hal­ten. In vie­len Fäl­len sind schreck­li­che Erfah­run­gen aus der Kind­heit, Miss­hand­lung, Miss­brauch, ein enor­mer Ver­lust oder Ableh­nung die Ursa­che für die Ent­ste­hung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, aber auch gene­ti­sche Ver­an­la­gun­gen kön­nen einen gewis­sen Ein­fluss haben. Beson­ders auf­fäl­lig bei Men­schen, die an der Borderline-Persönlichkeitsstörung lei­den, ist die große Ver­lust­angst und die inten­sive Bemü­hung darum, nicht ver­las­sen zu wer­den. Betrof­fene sind sehr schnell anhäng­lich und emo­tio­nal, aber wech­seln soziale Kreise auch wie­der schnell, um sich erneut in eine inten­sive Bezie­hung zu stür­zen. Von Him­mel­hoch jauch­zend bis zu Tode betrübt — so emp­fin­den viele Men­schen mit die­ser Stö­rung. Einige füh­len sich leer und nei­gen zu aggres­si­vem Ver­hal­ten, andere sind sehr in sich gekehrt und lei­den zusätz­lich an Panik­at­ta­cken. Die Krank­heit äußert sich indi­vi­du­ell ganz unter­schied­lich und es ist oft­mals schwer eine genaue Dia­gnose zu stellen.

Wie wird eine Bor­der­line Per­sön­lich­keits­stö­rung diagnostiziert?

Viele Men­schen, die psy­chi­sche Pro­bleme haben, mei­den aus Scham und Angst den Weg zum Arzt. Dabei ist eine sol­che Stö­rung heut­zu­tage gut the­ra­pier­bar, wenn man sich in gute Hände begibt und selbst ein­sieht, dass man ein Pro­blem hat. Ein Psy­cho­loge wird mit­hilfe der so genann­ten 9-Diagnose-Kriterien sicher­lich schnell her­aus­fin­den kön­nen, ob eine Bor­der­line Per­sön­lich­keits­stö­run­gen vor­liegt oder nicht. Diese neun Kri­te­rien, von denen nur fünf vor­lie­gen müs­sen, um von einer psy­chi­schen Stö­rung zu spre­chen, wer­den bei einem inten­si­ven Gespräch ein­be­zo­gen und aus­ge­wer­tet. Die Kri­te­rien sind folgende:

  1. Ist der Pati­ent stark darum bemüht, nicht ver­las­sen zu wer­den und bin­det sich schnell an Personen?
  2. Sind Bezie­hun­gen eher unsta­bil und wech­seln schnell?
  3. Lei­det der Pati­ent an Identitätsstörung?
  4. Ist der Pati­ent sehr impul­siv und neigt zu selbst­ver­let­zen­dem Verhalten?
  5. Droht der Pati­ent häu­fig mit Suizid?
  6. Ist der Pati­ent schnell reiz­bar und neigt zu Angstzuständen?
  7. Fühlt sich der Pati­ent oft leer und hat depres­sive Schübe?
  8. Prä­gen Aggres­sio­nen und Wut­an­fälle das Leben des Patienten?
  9. Lei­det der Pati­ent an Para­noia und fühlt sich in harm­lo­sen Situa­tio­nen bedroht?

Natür­lich sind noch viele wei­tere Fak­to­ren bei einer Dia­gno­se­fin­dung ein­zu­be­zie­hen, die ein Psy­cho­loge bei meh­re­ren Sit­zun­gen auf den Grund gehen kann.

Wie wird eine Bor­der­line Per­sön­lich­keits­stö­rung therapiert?

Da es sich um eine psy­chi­sche Erkran­kung han­delt, ist eine Psy­cho­the­ra­pie natür­lich unab­ding­bar. Heute set­zen viele Psy­cho­lo­gen auf die dialektisch-behaviorale The­ra­pie, bei der in Ein­zel– und Grup­pen­ge­sprä­chen ver­schie­dene Übun­gen gemacht wer­den, die dabei hel­fen sol­len, das Selbst­bild des Betrof­fe­nen auf­zu­bauen. Meist erfolgt solch eine The­ra­pie sta­tio­när und ist sehr effek­tiv. Auch die über­tra­gungs­fo­kus­sierte Psy­cho­the­ra­pie, bei der in Ein­zel­ge­sprä­chen aktu­elle Pro­bleme in den Vor­der­grund gerückt und zu beho­ben ver­sucht wer­den, wirkt sich bei vie­len Betrof­fe­nen sehr posi­tiv aus. Ein Patent­re­zept für die The­ra­pie einer Bor­der­line Per­sön­lich­keits­stö­rung gibt es nicht, aber mitt­ler­weile gibt es viele renom­mierte Psych­ia­ter, die sich auf dem Gebiet her­vor­ra­gend aus­ken­nen. Medi­ka­mente, wie Psy­cho­phar­maka oder Neu­ro­lep­tika wer­den nur bei beson­ders aus­ge­präg­ten Fäl­len beglei­tend eingesetzt.

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