Autismus
Der Begriff Autismus umschreibt verschiedene Ausprägungen einer gravierenden Entwicklungs– und Wahrnehmungsstörung des Gehirns, die sich meist im frühen Kindesalter manifestiert. Autismus zeigt sich vor allem durch Schwächen im Sozialverhalten, stereotype Verhaltensweisen und/oder Auffälligkeiten in den Bereichen Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnisleistung und Intelligenz. Häufig geht Autismus mit geistiger Behinderung einher.
Formen
Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen dem am häufigsten auftretenden frühkindlichen Autismus, dem atypischen Autismus sowie dem Asperger-Syndrom.
Frühkindlicher Autismus
Der frühkindliche Autismus ist eine schwere Entwicklungsstörung, die sich zwischen dem zehnten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr durch einen deutlich beeinträchtigten Eltern-Kind-Kontakt zeigt. Betroffene Kinder meiden körperliche Nähe (Kuscheln, Berührung), reagieren nicht oder kaum auf emotionale Zuwendung und bauen keine sozialen Kontakte auf. Dadurch kommt es meist zu einer gestörten oder verzögerten Sprachentwicklung.
Mehr als drei Viertel der erkrankten Kinder sind Jungen.
Atypischer Autismus
Als atypisch wird eine Autismus-Erkrankung bezeichnet, wenn entweder das Erkrankungsalter außerhalb der genannten Grenzen liegt oder nicht alle Symptome des frühkindlichen Autismus auftreten.
Asperger-Syndrom
Das Asperger-Syndrom zeigt sich ab dem dritten bis fünften Lebensjahr und gilt als leichte Form des Autismus.
Typische Symptome sind:
- fehlender Blickkontakt
- fehlende Körpersprache,
- Vermeidung von Körperkontakt,
- verzögerte Sprachentwicklung, Sprachanomalien,
- fehlender Kontakt zu Gleichaltrigen,
- Stärken im schriftlichen, Schwächen im mündlichen Unterricht,
- einseitig, zwanghaft ausgerichtete Interessen.
Inselbegabung
Das Interesse autistischer Menschen vorwiegend mit Asperger-Syndrom richtet sich häufig auf wenige Gebiete, auf denen sie enorme Fähigeiten entwickeln, etwa Merkfähigkeit (Auswendiglernen kompletter Bücher, fotografisches Gedächtnis), Musik, Zeichnen oder Kopfrechnen. Gleichzeitig sind sie oft unfähig, einfachste Aufgaben der Selbstversorgung (Hygiene, Ankleiden, Essen) zu bewältigen.
Schwerpunkt: Frühkindlicher Autismus
Ursachen
Es wird angenommen, dass für autistische Störungen genetische Besonderheiten ursächlich sind. Bestimmte Hirnschädigungen können ebenfalls Autismus zur Folge haben.
Symptome
Autistische Kinder leben in einer eigenen Gedankenwelt. Ihr Kontakt zu Eltern und Geschwistern ist äußerst sporadisch. Mangelnde Gefühlsäußerungen (Freude, Wut, Lächeln), fehlender Blickkontakt und das Ausbleiben jeglicher emotionaler Reaktionen auf Lob und Zuneigung verursachen bei den Eltern und vor allem bei der Mutter oft großes seelisches Leid. Andererseits zeigen autistische Kinder mitunter erstaunliche Interessen, etwa an geometrischen Formen oder optischen Effekten.
Gestörte Sprachentwicklung
Autismus führt häufig zu einer gravierenden Beeinträchtigung oder Verzögerung der Sprachentwicklung. Wortbedeutungen werden verwechselt oder nicht verstanden (z. B. „ich“ statt „du“, falsche Begriffsverwendung). Die Kinder haben Probleme, sich zu artikulieren, sprechen betonungslos und ohne begleitende Körpersprache.
Stereotypien
Sogenannte Stereotypien (mechanische Wiederholungen) treten im gesamten Verhalten auf. Sie äußern sich etwa durch die Wiederholung von Worten und Sätzen oder dem exzessivem Sammeln und Ordnen bestimmter Gegenstände. Stereotype Kopfbewegungen (z. B. Schaukeln) treten ebenso auf wie die zwanghafte Beschäftigung mit den immer gleichen Dingen (Steine, Fäden, Wassertropfen, Räder). Auf Störungen oder Veränderungen in ihrer Umwelt reagieren die Kinder z. T. mit panischer Angst, Unruhe oder aggressivem, selbstverletzendem Verhalten.
Weitere Symptome
Die meisten autistischen Kinder sind in ihrer Intelligenz stark beeinträchtigt. Sie können Gefahrensituationen nicht einschätzen (Straßenverkehr, Herd, Feuer, Absturzgefahr/Höhen), lachen ohne erkennbaren Grund oder reagieren panisch auf bestimmte Geräusche. Bei Babys werden häufig Ess– und Schlafstörungen zu einem ernsthaften Problem.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine symptombezogene Anamnese sowie eine Langzeitbeobachtung des Patienten.
Ab dem fünften Lebensjahr kann ein EEG Aufschluss über Veränderungen im Gehirn sowie eine begleitende Epilepsie geben.
Von herausragender Bedeutung ist die sogenannte Differentialdiagnose, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.
Therapie
Autismus ist nicht heilbar. Therapien können einzelne Symptome mildern und dem Betroffenen zu größerer Selbstständigkeit verhelfen.
Vor allem beim frühkindlichen Autismus empfiehlt sich eine koordinierte Begleitung durch Familie, Kindergarten und (Förder-)Schule, verbunden mit Aufenthalten in spezialisierten Betreuungseinrichtungen. Logopädie, Ergo-, Physio-, Musik– oder Reittherapie wirken unterstützend. Dabei geht es darum, soziale, emotionale und sprachliche Kompetenzen, Kontakte, Entwicklungschancen und Verhaltensweisen zu verbessern.
Medikamente sollen lediglich Begleiterscheinungen, wie extreme Aggressivität gegen sich selbst oder Epilepsie behandeln.
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Category: Lexikon | Tags: Autismus, Gesundheit, Krankheiten, Medizin Kommentare deaktiviert