Atatürk, Mustafa Kemal

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Mus­tafa Kemal Ata­türk (“Vater der Tür­ken”) lebte von 1881 bis 1938. Er gilt als der Begrün­der der moder­nen Tür­kei. Das heu­tige tür­ki­sche Staats­we­sen als ein säku­la­rer Staat mit Ori­en­tie­rung nach Wes­ten, Tren­nung von Reli­gion und Staat und Gleich­be­rech­ti­gung der Frau geht auf ihn zurück.

Bio­gra­fie

Kemal Ata­türk wurde unter dem Namen Mus­tafa im damals osma­ni­schen Salo­niki gebo­ren. Als Sohn eines Offi­ziers besuchte auch er osma­ni­sche Mili­tär­schu­len, wo er den Bei­na­men Kemal erhielt und Offi­zier wurde.
Im Ers­ten Welt­krieg errang er mili­tä­ri­sche Erfolge und wurde schließ­lich Ober­be­fehls­ha­ber an zwei Fron­ten. Nach dem Krieg wurde er 1920 zum Prä­si­dent und Pre­mier­mi­nis­ter der neu gegrün­de­ten Tür­kei ernannt; 1922 erhielt er den Ehren­ti­tel “Ata­türk”. Nach sei­nem Tod 1938 wurde er in einem eige­nen Mau­so­leum in Ankara beigesetzt.

Mus­tafa Kemal und die “Jungtürken”

Schon geraume Zeit vor Aus­bruch der Ers­ten Welt­kriegs galt das Osma­ni­sche Reich als der “Kranke Mann am Bos­po­rus”. Das rie­sige aber rück­stän­dige Land hatte den Anschluss an das Indus­trie­zeit­al­ter ver­passt. In der Folge bra­chen immer mehr Auf­stände aus; der gesamte Bal­kan errang nach und nach die Unab­hän­gig­keit und auch in Nord­afrika gin­gen Gebiete ver­lo­ren.
Die “Jung­tür­ken” streb­ten einen Anschluss an die moderne und offen­bar erfolg­rei­chere Staats­struk­tur der euro­päi­schen Groß­mächte an, um das Osma­ni­sche Reich nicht sei­nen zahl­rei­chen Nei­dern schutz­los aus­zu­lie­fern. Im Jahr 1908/09 kam es schließ­lich zur Revo­lu­tion der Jung­tür­ken, die den Sul­tan zur Abdan­kung zwang. Mus­tafa Kemal stand auf Sei­ten der Jungtürken.

Mus­tafa Kemal und der Erste Weltkrieg

Nach der Revo­lu­tion suchte das Osma­ni­sche Reich einen Ver­bün­de­ten in Europa und fand ihn im Deut­schen Reich. Mit dem Bau der Bag­dad­bahn soll­ten die rück­stän­digs­ten Gebiete Anschluss an die Moderne fin­den; die tür­ki­sche Armee wurde mit deut­scher Hilfe mit moder­nen Waf­fen aus­ge­rüs­tet. Der deut­sche Gene­ral Liman von San­ders unter­stützte als Atta­ché die Armee des Groß­rei­ches mit Rat und Tat.
Nach dem spek­ta­ku­lä­ren Über­tritt des deut­schen Mit­tel­meer­ge­schwa­ders in die tür­ki­sche Flotte trat das Osma­ni­sche Reich Ende 1914 auf Sei­ten der Mit­tel­mächte in den Krieg ein und eröff­nete einen blu­ti­gen, aber erfolg­lo­sen Krieg im Kau­ka­sus gegen Russ­land. Auch Zusam­men­stöße mit den Bri­ten ver­lie­fen wenig erfolg­reich.
1915 ver­such­ten die Bri­ten, mit einer Lan­dung an den Dar­da­nel­len einen raschen Vor­stoß nach Kon­stan­ti­no­pel (Istan­bul) zu erzwin­gen, um den Krieg an die­sem Schau­platz zu been­den. Mus­tafa Kemal tat sich hier als Kom­man­deur einer Divi­sion her­vor und errang unsterb­li­chen Ruhm, da die Ope­ra­tion für die Bri­ten in einem blu­ti­gen Fiasko endete. Seit­her galt und gilt Mus­tafa Kemal in der tür­ki­schen Bevöl­ke­rung als der “Ret­ter von Istan­bul”.
Mit dem Titel “Pascha” aus­ge­stat­tet war er bis Kriegs­ende Ober­be­fahls­ha­ber der Kau­ka­sus­front und der Syri­en­front, konnte aber die Nie­der­lage sei­nes Lan­des letzt­lich nicht verhindern.

Mus­tafa Kemal und die Staats­grün­dung der Türkei

Nach dem Ers­ten Welt­krieg löste sich das Osma­ni­sche Reich auf. Grie­chen­land und Ita­lien ver­such­ten, sich auf Kos­ten des zer­fal­le­nen Staa­tes mas­siv zu ver­grö­ßern. Mus­tafa Kemal orga­ni­sierte den Wider­stand und schlug die Grie­chen.
Im Sep­tem­ber 1919 war bereits die Tür­kei in Grund­zü­gen gebo­ren wor­den, als im Natio­nal­pakt das Selbst­be­stim­mungs­recht aller tür­ki­schen Gebiete pro­kla­miert wor­den war. 1920 wurde er schließ­lich Prä­si­dent und Pre­mier­mi­nis­ter des neu gegrün­de­ten Staa­tes, der schließ­lich 1923 unab­hän­gig und sou­ve­rän wurde.
1924 trat die bis heute gül­tige Ver­fas­sung der Tür­kei mit den Prin­zi­pien des Kema­lis­mus in Kraft: Natio­na­lis­mus, Säku­ra­lis­mus, Moder­nis­mus, Repu­bli­ka­nis­mus, Popu­lis­mus, Etatismus.

Das Erbe Atatürks

Die Tür­kei hat sich von der ara­bi­schen auf die latei­ni­sche Schrift umge­stellt, den Frauen glei­che Rechte ein­ge­räumt, ein euro­päi­sches Rechts­sys­tem ein­ge­führt und viele west­li­che Merk­male über­nom­men.
Die Armee wacht bis heute über die Ein­hal­tung der Prin­zi­pien Ata­türks; das Land ist in die west­li­chen Ver­tei­di­gungs­bünd­nisse inter­griert und ver­han­delt mit der EU über einen Bei­tritt, um end­gül­tig Teil der west­li­chen Welt zu werden.

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