Asbjørnsen, Peter Christen

14. Dezember 2011

Peter Chris­ten Asbjørn­sen war ein nor­we­gi­scher Schrift­stel­ler und Wis­sen­schaft­ler, der im 19. Jahr­hun­dert zunächst als Samm­ler nor­di­scher Mär­chen und dann als Forst­meis­ter wirkte. Zusam­men mit sei­nem Freund Jør­gen Moe gab er meh­rere Samm­lun­gen nor­we­gi­scher Volks­mär­chen her­aus, die die Bei­den auf ihren Rei­sen gesam­melt und auf­ge­schrie­ben hat­ten, und machte sich um den Erhalt der nor­we­gi­schen Spra­che ver­dient. Nor­we­gen ehrte den gro­ßen Mär­chen­samm­ler mit der Abbil­dung sei­nes Bil­des auf dem 50-Kronen-Schein.

Leben und Werdegang

Peter Chris­ten Asbjørn­sen wurde am 15. Januar 1812 im heu­ti­gen Oslo, das damals noch Kris­tia­nia hieß, gebo­ren. Die Wur­zeln sei­ner Fami­lie reich­ten in das nor­we­gi­sche Tal Gud­brands­da­len, in dem eine rei­che volks­tüm­li­che Tra­di­tion gepflegt wurde, so dass der Junge bereits früh mit Volks­mär­chen in Berüh­rung kam. Mit 12 Jah­ren lernte er auf der Schule in Rin­ge­rike den zwei Jahre älte­ren Jør­gen Moe ken­nen, der sich eben­falls für nor­we­gi­sche Folk­lore begeis­terte und mit dem ihn eine lebens­lange Freund­schaft ver­band. Die ehe­ma­lige Schule ist heute ein Hei­mat­mu­seum, das auch an die bei­den pro­mi­nen­ten Schü­ler erin­nert. An der Uni­ver­si­tät begann Asbjørn­sen 1833 ein wis­sen­schaft­li­ches Stu­dium. Seine Arbeit als Zoo­loge führte ihn auf viele For­schungs­rei­sen ent­lang der nor­we­gi­schen Küste, bei denen er vor Allem häu­fig im Har­d­an­gerf­jord war. Er arbei­tete mit den sei­ner­zeit bekann­tes­ten Mee­res­bio­lo­gen Michael und Georg Ossian Sars zusam­men. Bereits 1832 hatte er in Zusam­men­ar­beit mit Moe begon­nen, die Volks­mär­chen sei­ner nor­we­gi­schen Hei­mat zu sam­meln und nie­der­zu­schrei­ben. Ab 1858 bis 1876 wirkte Asbjørn­sen bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung nur noch als Forst­meis­ter und ver­fasste wäh­rend die­ser Zeit zahl­rei­che natur­wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten. 1879 ver­kaufte er seine umfang­rei­che zoo­lo­gi­sche Samm­lung an das iri­sche Natio­nal­mu­seum. Am 6. Januar 1885 starb er fast 73-jährig in Kris­tia­nia. Er hin­ter­ließ keine Nach­kom­men, so dass die Fami­lie als aus­ge­stor­ben gilt.

Mär­chen­samm­ler und Stär­kung des nor­we­gi­schen Nationalbewusstseins

Zusam­men mit sei­nem Freund Jør­gen Moe machte sich Peter Chris­ten Asbjørn­sen als Samm­ler und Bewah­rer der nor­we­gi­schen Volks­mär­chen einen gro­ßen Namen. Vor Allem in den länd­li­chen Gegen­den Nor­we­gens wur­den zahl­rei­che Sagen und Mär­chen um Feen, Trolle und andere mär­chen­hafte Gestal­ten von Mund zu Mund wei­ter­ge­ge­ben. Nach dem Vor­bild der deut­schen Brü­der Grimm reis­ten die bei­den Män­ner in alle nor­we­gi­schen Regio­nen, lie­ßen sich die Geschich­ten erzäh­len und schrie­ben die gehör­ten Mär­chen und Sagen so wort­ge­treu wie mög­lich auf. Die erste Samm­lung erschien 1841 unter dem Namen „Norske Fol­keeven­tyr“, der wei­tere Samm­lun­gen folg­ten, die in viele Spra­chen über­setzt und in vie­len Län­dern ver­öf­fent­licht wur­den. In einer Zeit, in der Nor­we­gen der schwe­di­schen Hoheit ange­hörte und nicht nor­we­gisch gespro­chen wer­den durfte, drohte die nor­we­gi­sche Spra­che in Ver­ges­sen­heit zu gera­ten. Es ist Peter Chris­ten Asbjørn­sen und Jør­gen Moe zu ver­dan­ken, dass die nor­we­gi­sche Spra­che mit ihren zahl­rei­chen Dia­lek­ten erhal­ten blie­ben. Das Natio­nal­be­wusst­sein der Nor­we­ger erfuhr durch die Nie­der­schrif­ten eine neue Stär­kung, die bei­den Geschich­ten­er­zäh­ler wer­den bis heute als Natio­nal­hel­den verehrt.

„Per Gynt“ und „Der Eisbärkönig“

Zu den bekann­tes­ten Volks­mär­chen, die Asbjørn­sen nie­der­ge­schrie­ben hatte, gehört „Per Gynt“. Der nor­we­gi­sche Schrift­stel­ler Hen­drik Ibsen, mit dem er per­sön­lich bekannt war, schrieb auf­grund der Vor­lage sein wohl bekann­tes­tes Werk, das Hel­den­ge­dicht „Peer Gynt“, das von Edvard Grieg ver­tont wurde, und das auch heute noch welt­be­kannt ist. Zahl­rei­che Mär­chen und Sagen wie zum Bei­spiel „Der Eis­bär­kö­nig“ dien­ten spä­ter als Grund­lage für Ver­fil­mun­gen und lite­ra­ri­sche Werke nor­we­gi­scher Künst­ler. Im 20. Jahr­hun­dert schuf der nor­we­gi­sche Fil­me­ma­cher Ivo Caprino eine Serie von Pup­pen­spie­len, die auf den Mär­chen und Sagen von Peter Chris­ten Asbjørn­sen und Jør­gen Moe beruhen.

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