Peter Christen Asbjørnsen war ein norwegischer Schriftsteller und Wissenschaftler, der im 19. Jahrhundert zunächst als Sammler nordischer Märchen und dann als Forstmeister wirkte. Zusammen mit seinem Freund Jørgen Moe gab er mehrere Sammlungen norwegischer Volksmärchen heraus, die die Beiden auf ihren Reisen gesammelt und aufgeschrieben hatten, und machte sich um den Erhalt der norwegischen Sprache verdient. Norwegen ehrte den großen Märchensammler mit der Abbildung seines Bildes auf dem 50-Kronen-Schein.
Leben und Werdegang
Peter Christen Asbjørnsen wurde am 15. Januar 1812 im heutigen Oslo, das damals noch Kristiania hieß, geboren. Die Wurzeln seiner Familie reichten in das norwegische Tal Gudbrandsdalen, in dem eine reiche volkstümliche Tradition gepflegt wurde, so dass der Junge bereits früh mit Volksmärchen in Berührung kam. Mit 12 Jahren lernte er auf der Schule in Ringerike den zwei Jahre älteren Jørgen Moe kennen, der sich ebenfalls für norwegische Folklore begeisterte und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Die ehemalige Schule ist heute ein Heimatmuseum, das auch an die beiden prominenten Schüler erinnert. An der Universität begann Asbjørnsen 1833 ein wissenschaftliches Studium. Seine Arbeit als Zoologe führte ihn auf viele Forschungsreisen entlang der norwegischen Küste, bei denen er vor Allem häufig im Hardangerfjord war. Er arbeitete mit den seinerzeit bekanntesten Meeresbiologen Michael und Georg Ossian Sars zusammen. Bereits 1832 hatte er in Zusammenarbeit mit Moe begonnen, die Volksmärchen seiner norwegischen Heimat zu sammeln und niederzuschreiben. Ab 1858 bis 1876 wirkte Asbjørnsen bis zu seiner Pensionierung nur noch als Forstmeister und verfasste während dieser Zeit zahlreiche naturwissenschaftliche Arbeiten. 1879 verkaufte er seine umfangreiche zoologische Sammlung an das irische Nationalmuseum. Am 6. Januar 1885 starb er fast 73-jährig in Kristiania. Er hinterließ keine Nachkommen, so dass die Familie als ausgestorben gilt.
Märchensammler und Stärkung des norwegischen Nationalbewusstseins
Zusammen mit seinem Freund Jørgen Moe machte sich Peter Christen Asbjørnsen als Sammler und Bewahrer der norwegischen Volksmärchen einen großen Namen. Vor Allem in den ländlichen Gegenden Norwegens wurden zahlreiche Sagen und Märchen um Feen, Trolle und andere märchenhafte Gestalten von Mund zu Mund weitergegeben. Nach dem Vorbild der deutschen Brüder Grimm reisten die beiden Männer in alle norwegischen Regionen, ließen sich die Geschichten erzählen und schrieben die gehörten Märchen und Sagen so wortgetreu wie möglich auf. Die erste Sammlung erschien 1841 unter dem Namen „Norske Folkeeventyr“, der weitere Sammlungen folgten, die in viele Sprachen übersetzt und in vielen Ländern veröffentlicht wurden. In einer Zeit, in der Norwegen der schwedischen Hoheit angehörte und nicht norwegisch gesprochen werden durfte, drohte die norwegische Sprache in Vergessenheit zu geraten. Es ist Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe zu verdanken, dass die norwegische Sprache mit ihren zahlreichen Dialekten erhalten blieben. Das Nationalbewusstsein der Norweger erfuhr durch die Niederschriften eine neue Stärkung, die beiden Geschichtenerzähler werden bis heute als Nationalhelden verehrt.
„Per Gynt“ und „Der Eisbärkönig“
Zu den bekanntesten Volksmärchen, die Asbjørnsen niedergeschrieben hatte, gehört „Per Gynt“. Der norwegische Schriftsteller Hendrik Ibsen, mit dem er persönlich bekannt war, schrieb aufgrund der Vorlage sein wohl bekanntestes Werk, das Heldengedicht „Peer Gynt“, das von Edvard Grieg vertont wurde, und das auch heute noch weltbekannt ist. Zahlreiche Märchen und Sagen wie zum Beispiel „Der Eisbärkönig“ dienten später als Grundlage für Verfilmungen und literarische Werke norwegischer Künstler. Im 20. Jahrhundert schuf der norwegische Filmemacher Ivo Caprino eine Serie von Puppenspielen, die auf den Märchen und Sagen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe beruhen.
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